Zitat:

Es setzt sich nur so viel Wahrheit durch, als wir durchsetzen; der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein. - Bertold Brecht, „Leben des Galilei“

Zitat:

Bedrohlich ist das Volk für die Herrschenden, wenn es ohne Furcht ist.“ -Tacitus (römischer Historiker)

Zitat:

Die Furcht vor Übervölkerung tritt stets in Perioden auf, in denen der bestehende Sozialzustand im Zerfall begriffen ist. August Bebel

Sonntag, 7. Februar 2010

Freidenken, in Zügen weltanschaulichen Idealismus!?

Nun gibt es in der Mailliste der Freidenker ein freigeistiges Wort zum Sonntag, das Aktuelle ist hier Gegenstand folgender Betrachtung.

Freidenken, in Zügen weltanschaulichen Idealismus!?

Der große Mangel mancher Erkenntnis ist, dass sie nur von der oberflächlichen Erscheinung ausgeht und es vermeidet die eigentlichen Ursachen zu benennen. Dieses trifft besonders auch auf das besagte Problem der Umweltzerstörung zu, es wird zwar erkannt, dass der Mensch seine eigenen Lebensgrundlagen zerstört und dass dem Einhalt geboten werden muss um fort existieren zu können, aber warum er dieses tut, bleibt im Dunkeln. Auch ist es ein Irrtum, dass das Verhältnis zwischen Mensch und Natur durch dieses Problem in den Vordergrund rückt, da es immer schon im Vordergrund gestanden hat, es nur nicht als solches benannt wurde. Das Verhältnis Mensch - Natur ist ein beständig bestehendes und notwendiges Grundbedürfnis des menschlichen Seins selbst. Nur trifft für dieses Verhältnis zu, was für die Elementarbedürfnisse (Atmung, Nahrung, Schlaf, Sexualität) zutrifft, sie sind so selbstverständlich, dass man ihnen wenig Beachtung schenkt, solange sie kontinuierlich und im erforderlichem Maße befriedigt werden. Kommt aber dieser Austauschprozess ins stocken, wird gestört, droht gar zum erliegen zu kommen, so wird sich der Mensch dieses Zusammenhanges immer stärker bewusst und treibt damit die bürgerliche Ideologie in einen Strudel von Erklärungsnöten. Was immer Ideologie auch ist, sie hat ihre Aufgabe zu erfüllen! So wird zwar das Dilemma, in welches sich die Menschheit dank eigener bewusster Tat manövriert, erkannt, nur die eigentlichen Ursachen bleiben im Dunkel, ja, sie werden bewusst dort belassen. Dementsprechend sind auch die Lösungsvorschläge, mit deren Hilfe dieses Dilemma beseitigt werden soll! Eine neue Verfassung soll es richten, auf juristischem Wege soll die Welt gerettet werden, dass aber selbst juristische Strukturen objektive Ursachen haben und Mittel zu Zweck sind, bleibt im Nebel allgemeiner Verklärung verborgen. Juristisch ist diesem Problem nicht beizukommen, da die gegenwärtige Justiz auf dem selben Misthaufen erblüht, welcher diese Problem hervorgebracht hat. In diesem Zusammenhang wäre es durchaus von Interesse zu klären was Recht eigentlich ist und welche Ursachen es hat? Recht ist nämlich selbst eine menschliche Schöpfung, welche der herrschenden ökonomischen Struktur der Gesellschaft entspricht und zur Durchsetzung von Interessen und zwar gegen andere Interessen, dient. Und so wird Recht, genauso wenig im Interesse aller, auch nicht im Namen der Natur gesprochen, wie auch?  Ja, wie sollte ein neues Rechtsdenken die Welt verändern und welche Ursachen hat diese „ökologische Weltkrise“ überhaupt, ist sie nicht letztlich ein Bestandteil der allgemeinen Krise des Kapitalismus?
Im Text ist die Rede davon, dass „dafür plädiert“ wird, „das bisher auf den Menschen zentrierte Weltbild durch ein ökozentrisches zu ersetzen: Künftig soll nicht mehr der Mensch als das Maß aller Dinge gelten, sondern die Gesamtheit der Natur.“ Nur in welchem Maße steht der Mensch im Zentrum seines Streben? Würde der Mensch diese Stellung einnehmen, so wäre eine Lösung besagter Problem möglich, der Mensch steht aber nicht im Mittelpunkt, sondern nur ganz spezifische Interessen! Menschen sind Bestandteil der Natur, und ihren bewussten Austausch mit der Natur nennt man Wirtschaft. Und dort liegt das Problem, den in wessen Interesse ist die Wirtschaft gegenwärtig ausgerichtet, wem hat sie zu dienen?
Wenn nun von einem „Eigenwert der Natur“ zu lesen ist, so wird versucht vom eigentlichem Problem abzulenken, da die Natur selbst nicht wertet, sondern dieses dem Menschen überlassen ist. Somit ist selbst der „Eigenwert der Natur“, nur eine Wertgröße des Menschen, für den Menschen. Und diesen Eigenwert sollen wir nun „anerkennen und zur Grundlage persönlichen und gesellschaftlichen Handelns machen.“
Gut, machen wir, jedenfalls versuchen könnten wir es ja, vielleicht würde es auch funktionieren, wenn das Bewusstsein das Sein bestimmt. Nur ist dem so? Idealistischen Phantasien und um etwas anderes handelt es sich hierbei nicht, dienen letztlich nur der Verschleierung, der Ablenkung von den eigentlichen Problemen. Nun kann über Recht immer trefflich phantasiert und dem Wunsche entsprechend Forderungen erhoben werden, nur wie realistisch ist die Umsetzung eines solchen Rechts, wenn die Grundlagen dafür nicht vorhanden sind? Andererseits kann beschlossen werden was will, letztendlich kommt es auf die Umsetzung an. Und so edel der Gedanke auch sein möge, das abschließend Einsteinzitat taugt ihn zu negieren und das zu Recht! Ja, im Gegensatz zum Einsteinzitat, wird im Text Mensch und Natur gegenübergestellt, schon allein das Ansinnen existenzielle Menschheitsprobleme mittels juristischer Winkelzüge lösen zu wollen, spricht dafür. Ohne die eigentlichen Grundlagen einer Gesellschaft und die sie hervorbringenden Verhältnisse, zu berücksichtigen, sollen die Menschen von Rechtswegen gezwungen werden. Ja, das Recht soll es richten und über das Bewusstsein der Menschen, Veränderungen bewirken! Nur ist es nicht die Aufgabe, und auch noch nie gewesen, eines bestehenden Rechtssystems, Verhältnisse zu verändern, sondern es hat die Aufgabe diese zu erhalten, zu waren, zu schützen!
Aber auch die Illusion vom Menschen als „Maß aller Dinge“ widerspricht nicht nur der Natur des Menschen, sondern auch seiner Stellung innerhalb der Natur. Und nicht nur dieses, der Mensch ist nicht einmal das „Maß aller Dinge“ in der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung! Gerade letzteres kann durchaus als eine elementare Voraussetzung für die Lösung besagter Problem betrachtet werden. Und was ist schon das „Maß aller Dinge“?
Vernünftigerweise wird zwar erkannt, dass es notwendig ist, um einen Ausweg „aus der ökologischen Krise“ zu finden, zu erkennen, wie man dort hineingeschlittert ist. Aber was ist die Ursache des hineinschlitterns? Es werden Schlüsse gezogen, welche unweigerlich „an den Grundlagen des turbokapitalistischen Denkens rütteln, ja, bis tief in unsere Psyche reichen.“ Halleluja, das ist es, am Denken rütteln und die Welt wird sich verändern, die Natur wird bewahrt und der Mensch kann sein Unwesen weiter treiben! Nur warum nicht an den Ursachen selbst Rütteln, welche entsprechendes Denken hervorbringen? Ja, Ja, auf das richtige Denken kommt es an, dann noch ein bisschen Rütteln und gelöst ist das Problem! Es ist schon etwas dran, einer Gegenüberstellung von Mensch und Natur entgegenzuwirken, nur ändert dieses am eigentlichen Problem relativ wenig, genauso wenig sollten wir vergessen, dass wir es sind, welche Wertmaßstäbe benutzen und so geht es hier, wie oben schon bemerkt, um den Wert der Natur FÜR DEN MENSCHEN. Genauso wenig wie die Natur einen Wert unabhängig vom Menschen besitzt, geht es den Menschen um die Natur an sich, sondern um seine Natur und um die Natur für sich! Es geht dem Menschen um sein Überleben, welches nur unter bestimmten Bedingungen möglich ist. Aus diesem Grund müssen wir unser Handeln auch nicht vor der Natur verantworten, sondern nur vor uns selbst, der Natur ist es wahrlich scheiß egal ob es eine Erscheinungsform Mensch gibt, oder auch nicht, nur uns Menschen ist es nicht egal, kann es nicht egal sein. Ja, wir stehen in der Pflicht, aber nicht im Namen der Natur zu Handeln, sondern in unserem eigenem Namen, wir stehen in der Pflicht in unserem ureigenen Interesse zu handeln und die Bedingungen unserer Existenz zu erhalten. Das bedeutet die Erkenntnis, dass der Mensch untrennbarer Bestandteil der Natur ist, und die Art und Weise des Austausches  nicht nur für die Lösung dieses Problems verantwortlich ist. Da hilft das ganze juristisch, idealistisch, kleinbürgerliche Geschwafel keinen Zentimeter weiter. Nicht Mensch gegen Natur ist das Problem, nicht der Mensch als „Maß aller Dinge“ ist das Problem, sondern Mensch gegen Mensch ist das Problem und im System des Kapitals war noch nie der Mensch das Maß aller Dinge, sondern die Kapitalverwertung. Somit wird zwar im Überbau einer Gesellschaft für Veränderung gekämpft, allein, ohne Veränderungen der Basis wird es keine Veränderung im Überbau geben. Für welches erwähnte „UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung“ und deren Ergebnisse, wie auch die Ergebnisse diverser Nachfolgekonferenzen Zeugnis ablegen. Und auch das Mädchen, aus dessen Rede im Beitrag zitiert wurde, hatte nur ihr eigenes, man kann sogar sagen, egoistisches Interesse im Sinn, nämlich das Interesse zu Leben! Ein völlig legitimes Interesse übrigens.
Zu guter Letzt entsprechen die Schlüsse dem gesamten Gedankengebäude, welches das eigentliche Problem negiert und in Verkennung allgemein gesellschaftlicher Zusammenhänge feststellt: „es fehlt generell an der Einsicht, den ökologischen Erfordernissen in allen politischen Entscheidungen den Vorrang einzuräumen.“ Als ob eine entsprechende Einsicht etwas ändern könnte, wenn sich die Grundlage einer Gesellschaft nicht entsprechend ändert. So werden die Menschen bis zum jüngsten Gericht warten können, wenn sie unter den gegebenen Umständen auf „diese Taten der Staaten und Regierungen warten“! Auch einmal davon abgesehen, dass geduldig wartende Menschen diesen Regierungen am liebsten sind, bedienen sie sich (die Regierungen) gelegentlich doch des einen oder anderen Feigenblattes. Es ist Blauäugig anzunehmen, dass es “generell an der Einsicht“ fehlt, „den ökologischen Erfordernissen in allen politischen Entscheidungen den Vorrang einzuräumen.“
Wenn die eigentlichen Grundlagen gesellschaftlichen Seins nicht berücksichtigt werden und diesen entsprechende Schlüsse gezogen werden, wird man letztendlich die dringendsten Probleme der Menschheit nicht lösen können. Es ist eine Illusion zu meinen, dass sich an der folgenden Feststellung grundlegend etwas ändern wird: „Wie sehr die Staaten und die Regierungen sich der Wirtschaft und den Banken beugen anstatt endlich die notwendigen Schritte einzuleiten, die erforderlich sind, unsere Lebensgrundlagen zu erhalten. Kopenhagen 2009 ist ein warnendes Beispiel für die Menschheit. Wieder wurde eine Chance vertan.“ ohne zu klären, warum die Staaten und Regierungen sich der Wirtschaft und Banken beugen, ja, warum dieses unter den gegebenen Bedingungen nicht anders sein kann!

Originaltext:
Im Namen der Natur

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