Zitat:

Es setzt sich nur so viel Wahrheit durch, als wir durchsetzen; der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein. - Bertold Brecht, „Leben des Galilei“

Zitat:

Bedrohlich ist das Volk für die Herrschenden, wenn es ohne Furcht ist.“ -Tacitus (römischer Historiker)

Zitat:

Die Furcht vor Übervölkerung tritt stets in Perioden auf, in denen der bestehende Sozialzustand im Zerfall begriffen ist. August Bebel

Dienstag, 23. Februar 2010

Sich von Illusionen trennen!

Sich von Illusionen trennen!
Eine Antwort gab es auf diesen Beitrag, welcher selbst Gedanken zu einer Antwort enthielt, welche auf Grund eines anderen Beitrages gegeben wurde. Auch ein gutes Beispiel dafür, wie der ursprüngliche Gegenstand so nach und nach verschwindet. So geht es weniger um Mensch und Natur, sondern eher um gesellschaftliche Verhältnisse, aber eben auch um Weltanschauung. Wie wird die Welt betrachte, wie weit dringt man vor, oder verweilt man nur an der Oberfläche, geht man von einem materialistischen oder idealistischen Standpunkt aus?
Sicher spielt im Kapitalismus auch der Gegensatz zwischen Arm und Reich eine Rolle, aber das hat er auch schon in anderen Gesellschaftsformnationen, welche auf Ausbeutung des Menschen durch den Menschen basierten. Und nicht nur aus diesem Grund ist der Unterschied (zwischen den Gesellschaftsformationen) entscheidend, ja, was macht den Kapitalismus zum Kapitalismus und worin unterscheidet er sich von vorhergehenden Gesellschaftssystemen?
Nachdem einige Zeit vergangen ist, und mein Computer, auf welchen ich die Listenbeiträge abspeichere, wieder seinen Dienst tut, bin ich zur Beantwortung des Beitrages gekommen.

Ursächlicher Beitrag
Nun Nico,
sich von Illusionen zu trennen, ist ein guter Ratschlag, nur wo habe ich geschrieben, „dass der Kapitalismus auf dem Gegensatz einiger weniger Menschen gegen viele andere Menschen beruht.“? Nicht einmal beim besten Willen, kann man dieses den von Dir zitierten Zeilen entnehmen. Eher ist das Gegenteil der Fall, aber wenn Du es wünscht, mir eine idealistische Denkweise zu unterstellen, bitte. Nur das Dir nichts besseres einfällt, als den Beweis dafür mittels oberflächlich, idealistischer Betrachtungsweise zu führen, nun ja.
Von der Erscheinung zum Wesen, wäre da schon eher angebracht, aber bitte, bleiben wir bei der Erscheinung und den Illusionen.
So lassen sich bestimmte Illusionen unter bestimmten Bedingungen durchaus nachvollziehen, andererseits produzieren bestimmte Bedingungen auch bestimmte Illusionen, wie eben die von Dir genannte. Denn es ist eine Illusion anzunehmen, dass sich am Grundwiederspruch des Kapitalismus etwas ändert, nur weil die „Arbeiterschaft am Aktienstreubesitz der Firma“ beteiligt wird. Ganz im Gegenteil, dieser „Aktienstreubesitz“ ändert an der grundsätzlichen Situation des Arbeiters nichts, außer das er (der Arbeiter) sich der Illusion ergeben kann, Miteigner des Unternehmens zu sein. Nur ist er dieses? Formel sicher, nur in wieweit ermöglicht sein Mitbesitz ihm Mitbestimmung und wie sieht es aus, wenn im Unternehmen rationalisiert und seine Arbeitskraft nicht mehr gebraucht wird, ist er dadurch vor Entlassung geschützt? Eher entpuppt sich ein solcher Aktienbesitz als verdeckte Lohnkürzung und weitere zusätzliche Fessel ans Kapital.
Ja, und was ist schon Kapitalakkumulation? „Anwendung von Mehrwert als Kapital oder Rückverwandlung von Mehrwert in Kapital heißt Akkumulation des Kapitals.“ (K.Marx, MEW Bd. 23, S. 605) Also spielt der Mehrwert irgendwie immer eine Rolle, nur woher kommt dieser, wie entsteht er und vor allem, wo entsteht er? Deine Theorie, der vermeidlichen Mehrwertaufblasung dank „Turbokapitalismus“, mittels Spekulation und fiktiver Kapitalakkumulation, negiert die unterschiedliche Bedeutung der Phasen innerhalb des Reproduktionsprozess. Sicher muss sich eine jede Ware am Markt realisieren, aber sie muss auch konsumiert werden. Der Wert-schöpfende Teil bleibt aber der Produktion vorbehalten. So wichtig der Handel auch sein möge, Wert-schöpfend ist er nicht. Übrigens ist dieses Problem nicht neu, den „Hinter den Versuchen, die Warenzirkulation als Quelle von Mehrwert darzustellen, lauert daher meist ein Quidproquo, eine Verwechselung von Gebrauchswert und Tauschwert.“ K. Marx MEW, Bd. 23 S. 173)
Und mal ehrlich, auch Turbokapitalismus ist nur Kapitalismus auf höherer Entwicklungsstufe! Übrigens ist es egal, ob ich den Wert einer Ware in Geld, oder in Zertifikaten (Optionen) ausdrücke und das Abstrakte ist der Tauschwert, nicht der Gebrauchswert. Selbst wenn ein Optionsschein, eine Aktie, ein Zertifikat etc, auch selbst Ware ist, so enthalten sie keinen Mehrwert, außer dem, welcher ihnen während ihrer Herstellung (z. B. Druck) zugeführt wurde. Welches zugegebener Weise gegenüber dem Wert welchen sie repräsentieren sehr wenig ist. Wenn nun diese Scheine gehandelt werden, so wird durch diesen Handel kein Wert geschaffen. Es wird nur eine Illusion von Wertschöpfung erzeugt. Kapital muss akkumulieren, und da die Möglichkeiten im produktiven Bereiche immer geringer werden, akkumuliert es in nichtproduktiven Bereichen eben fiktiv, in dem zum Beispiel spekuliert wird. Diesem Prozess  entspringt kein  realer Mehrwert, sondern nur ein fiktiver Mehrwert, welcher wiederum nur fiktives Kapitals generiert, welches aber in reales Geld verwandelt werden soll. Das an Börsen mit Spekulationen kein Mehrwert geschaffen wird, ist sehr gut daran zu beobachten, dass die aufgebauten Blasen regelmäßig platzen und die Spekulationsgüter und Gegenstände ihrem eigentlichen Wert zugeführt werden. Letztlich dienen diese Spekulationen somit nur weiterer Umverteilung gesellschaftlichen Reichtums. Es sei nur daran gedacht, mit wie viel Milliarden den Spekulanten nach dem jüngsten Kollaps beigesprungen wurde, mit Milliarden, welche in den nächsten Jahren, Jahrzehnten mit Wert erst einmal zu untermauern sind. So wird mit der Hilfe des Staates, aus fiktiven Kapital, im laufe der Zeit richtiges Kapital gemacht. Jedenfalls wird es versucht.
Sicher hat sich der Kapitalismus weiterentwickelt, an seiner Grundfunktion hat sich nichts geändert, denn nicht der Turbo ist entscheiden, sondern das Kapital, das Kapitalverhältnis. Nun, was immer Kapital auch ist, eine Aktie ist es nicht, aber auch Geld ist es nicht. Oberflächlich betrachtet mögest Du recht haben, aber was wenn etwas tiefer geschaut wird?
Wenn nun der Wert des Aktien-, Zertifikate-, Optionhandel  etc. das 300 fache dessen ist, was der Handel mit Waren ausmacht, so ist dieses ein Zeichen für die Schieflage in der Gesellschaft und dafür, dass das kapitalistische System am Ende ist. Es bedeutet nämlich, dass jedes Quäntchen Wert 300 fach überzeichnet ist! Ja, an den Börsen wird Geld verdient, eigentlich eher gewonnen und verloren, nur Wert wird dort keiner geschaffen. Wenn ich Lotto spiele, kann ich Millionen gewinnen, nur Wert habe ich keinen geschaffen, sondern diese Millionen mussten andere bezahlen!
Ja, von Illusionen sollte man sich trennen, dieses ist aber nur möglich, wenn sie als solche erkannt werden. Ich finde es durchaus interessant sich solcher Themen anzunehmen, auch wenn der eigentliche Gegenstand, „Im Namen der Natur“ etwas abhanden gekommen ist. Dabei bin ich selbst auf der Suche, es geht darum Klarheit zu erlangen, dieses gelingt am besten mittels Meinungsstreit. Leider hatte ich Probleme mit meinem Rechner, auf welchen ich die Listenbeiträge speichere und komme somit erst nach Behebung des Schadens dazu auf Deinen Beitrag einzugehen.
Gruß
Thomas

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