Zitat:

Es setzt sich nur so viel Wahrheit durch, als wir durchsetzen; der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein. - Bertold Brecht, „Leben des Galilei“

Zitat:

Bedrohlich ist das Volk für die Herrschenden, wenn es ohne Furcht ist.“ -Tacitus (römischer Historiker)

Zitat:

Die Furcht vor Übervölkerung tritt stets in Perioden auf, in denen der bestehende Sozialzustand im Zerfall begriffen ist. August Bebel

Freitag, 5. November 2010

Gedanken zur Ideologie ...

Gedanken zur Ideologie wurden aufgeschrieben (Kommentar Nr. 6) und mit diesen Gedanken habe ich mich beschäftigt und da die verschiedensten Begriffe, wie Religion, Glaube, Meinung, mit eingebracht wurde, sollten auch diese Berücksichtigung finden und entsprechend eingeordnet. Dabei wird zum Beispiel Religion und Ideologie gleich gesetzt, genauso wie Meinung und Glaube und am Ende wird sich darüber gewundert, dass Ideologie einen Fremd gegenüber tritt. Letzteres liegt zwar weniger an den verwendeten Begriffen, obwohl der Gleichsetzunge zu widersprechen ist, sondern am Verständnis von Ideologie. Soweit erst einmal allgemein Betrachtet, nur ist Ideologie in einer solchen Allgemeinheit nicht zu fassen. Ideologie ist nicht wertneutral, wie an verschiedenen Stellen zu lesen, sie steht nicht über den Dingen, sprich den gesellschaftlichen Verhältnissen, sondern entspringt diesen. Dabei gibt es nicht nur eine Ideologie, wobei auch nicht jeder seine eigene hat! Letztendlich ist Ideologie ein Werkzeug und schon allein aus diesem Grund wird sie von der herrschenden Klasse gern genutzt, aber eben auch als solche negiert. Verzichten kann man auf dieses Werkzeug nicht, nur der erklärte Gegner sollte diese Form des Kampfes am besten nicht nutzen. So wird erklärt, dass es nur eine Ideologie gibt, nämlich die der herrschenden Klasse und diese über den Dingen steht, sowie wertneutral ist. Desto mehr sich aber die Widersprüche in unserer Gesellschaft zuspitzen, insbesondere der Grundwiderspruch des Kapitalismus, desto mehr tritt einem diese Ideologie, die bürgerliche Ideologie, die herrschende Ideologie, als etwas Fremdes entgegen.
Gerade auch aus diesem Grund ist es wichtig zu klären was Ideologie eigentlich ist. Dabei ist „die Vorstellung von Ideologie“ das Eine, ihre objektive Bedingtheit kann durchaus etwas anderes sein, In einem Text hatte ich folgendes Zitat veröffentlicht: „Ideologie: System der gesellschaftlichen (politischen, ökonomischen, philosophischen, künstlerischen, religiösen usw.) Ideen, die durch die materiellen Verhältnisse der Gesellschaft, insbesondere die Produktionsverhältnisse, bedingte Klasseninteressen zum Ausdruck bringen und darauf gerichtet sind, das Denken, Fühlen und Handeln der Menschen entsprechend zu beeinflussen, und in entsprechenden Verhaltensnormen, Einstellungen und Wertungen ihren Ausdruck finden.“ In diesem Zusammenhang sei auch darauf verwiesen, dass Menschen bestimmten Inhalten, einen bestimmten Namen zugeordnet haben und das sicher nicht ohne Grund und in so mancher Auseinandersetzung werden die verschiedensten Begriffe verwendet, ohne deren Inhalt gerecht zu werden. Nicht nur das so verschiedene interessante Themen angerissen werden, es wird auch ein relativ verwirrender Brei erzeugt, in dem vieles in einen Topf geschmissen, ohne die notwendige Differenzierung zu beachten.
Bevor ich mir nun dem einen und anderen Begriff zuwende, sei vorangestellt, dass ich mich mühe dem „holprigen“ Wegen des weltanschaulichen Materialismus zu folgen. So ist zwar Religion eine Form des gesellschaftlichen Bewusstseins, nur kann sie mit Ideologie nicht gleichgesetzt werden, auch wenn es durchaus Übereinstimmungen gibt. Aber auch mit dem Glauben verhält es sich ähnlich, im Zusammenhang mit Religion ist es dabei angebracht von religiösen Glauben zu sprechen, da es sich um eine sehr spezielle Form des Glaubens handelt. Zum einen bedeutet Glauben Vertrauen, da Glaube nichts anderes ist, als Nichtwissen, welches durchaus durch Wissen ersetzt werden kann, letzteres trifft auf religiösen Glauben nicht zu, religiöser Glaube verlangt blindes Vertrauen und schließt Wissenschaftlichkeit aus.
Ideologie hingegen ist ein System gesellschaftlicher Ideen, welche durch die materiellen Verhältnisse der Gesellschaft bedingtes Klasseninteresse zum Ausdruck bringen. Dass Ideologie religiös geprägt sein kann, bedeutet aber noch lange nicht, dass sie mit Religion gleichgesetzt werden kann, im Gegensatz zur Religion kann Ideologie wissenschaftliche Inhalte haben und  begründet werden. Des Weiteren ist Ideologie ein Werkzeug, ein Mittel zum Zweck, nicht über den Dingen stehend, sondern diesen entspringend, dieses trifft zwar auch auf Religion zu, wobei der qualitative Unterschied enorm sein kann. Ideologie hat immer  mit konkreten Interessen zu tun, speziell mit Klasseninteressen und so wie es verschiedene Klassen gibt, gibt es eben auch verschiedene Ideologien. „Die Ideologie trägt Klassencharakter. >>Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d. h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende Geistige Macht. << (MEW, 3, S. 46) Die Ideologie einer Klasse ist nach Inhalt und Form durch ihre Stellung in einer historisch bestimmten Gesellschaft – vor allem durch ihr Verhältnis zum Eigentum an den Produktionsmitteln – bedingt.“
Auch im Falle von Ideologie kommt es darauf an, von der Erscheinung zum Wesen vorzudringen und so wie wir mit unseren Interessen nicht entsprechenden Ideologien konfrontiert werden, konfrontieren wir andere mit unseren Ansichten, welche sich in der Summe, bei gemeinsamen Interesse zu einer eigenen Ideologie formieren. Dabei ist dem obigen Marxzitat Rechung zu tragen. Wird diesem Rechnung getragen, dürfte es nicht verwunderlich sein, dass Ideologie einen als etwas Fremdes erschein kann. Da die herrschende Ideologie, die der Herrschenden ist und die dominierende, tritt sie den beherrschten als etwas Fremdes entgegen. Damit nun die Fremdheit der herrschenden Ideologie nicht zu sehr in Erscheinung tritt und die von dieser Ideologie beherrschten nicht auf den Gedanken kommen, sich einer eigenen Ideologie, welche ihren Interessen entspricht, zu besinnen und bedienen, wird dem Ideologiebegriff, wie vielen anderen Begriffen, sein Inhalt geraubt, in dem Ideologie als etwas Wertneutrales dargestellt wird. Oder aber sie wird verunglimpft, in dem sie zu einem Schimpfwort degradiert wird, welches jedem entgegengeschleudert wird, wer eine andere Ideologie vertritt, als die herrschende Klasse. Dabei ist Ideologie nicht beständiges und wie das gesellschaftliche Leben selbst, beständigen Veränderungen unterworfen.  
Wenn also feststellst wird, dass sich Ideologie gegen einen wendet, so bedeutet dieses nichts anderes, als dass diese Ideologie dem eigenem Interesse nicht entspricht, so das eine identifizieren mit dieser nicht möglich ist. Den Schöpfern dieser Ideologie ist sie trotzdem von Nutzen und sie werden maximal danach streben, sie den sich verändernden Verhältnisse anzupassen.

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