Zitat:

Es setzt sich nur so viel Wahrheit durch, als wir durchsetzen; der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein. - Bertold Brecht, „Leben des Galilei“

Zitat:

Bedrohlich ist das Volk für die Herrschenden, wenn es ohne Furcht ist.“ -Tacitus (römischer Historiker)

Zitat:

Die Furcht vor Übervölkerung tritt stets in Perioden auf, in denen der bestehende Sozialzustand im Zerfall begriffen ist. August Bebel

Mittwoch, 15. Mai 2013

Vertreibung aus dem Paradies

Nun wird um die Kündigung des Kneipers der Kneipe im Kulturzentrum Quedlinburg orakelt und gestritten, der Kneiper versammelte seine Getreuen und auch jene, welche ohnehin etwas gegen das Kulturzentrum haben. Dazu gehört auch der Betreiber einer Seite im Netz, welcher sich diese Möglichkeit nicht entgehen lässt, um seinen Frust dem Kulturzentrum gegenüber im Stiele der B-Zeitung freien Lauf zu lassen. Bild dir eine Meinung und da die Meinung ja frei ist, kann diese durchaus auch Lüge sein.
Und gerade was auf diesen Seiten über das Kulturzentrum, den Dachverein und dessen Arbeit zu lesen ist, verrät das dort ein Blinder versucht über die Farbe zu fabulieren, letztlich aber nicht einmal ein schwarz-weiß Schema zustande bekommt. Dass in diesem Zusammenhang dem gekündigten Wirt einiges an Arbeit unterstellt wird, für welche der Verein im Kulturzentrum eigentlich verantwortlich zeichnet, muss da auch nicht verwundern. So hat der Pächter der Kneipe z.B. genauso wenig mit dem Schülerkaffee am Nachmittag, wie mit dem Kino, oder anderen Veranstaltungen, welche im Hause regelmäßig stattfinden, zu tun, es sei denn, dass die Gäste diverser Veranstaltungen sich bei ihm mit Getränken versorgen. Für die Veranstaltungen selbst ist er nicht verantwortlich, ganz im Gegenteil, in seinem Verantwortungsbereich finden immer weniger Veranstaltungen statt. Nach und nach beschränkte er sein Tätigkeitsfeld auf gewinnbringenden Geschäftsbetrieb. So wurde der Mittagstisch eingestellt und abends finden nur noch sehr selten Veranstaltungen in der Kneipe statt. Auch dieses rechtfertigt auf Dauer nicht mehr die Subventionierung des Pächters durch den Verein. Wenn nun manch einer, in der sehr emotional geführten Auseinandersetzung, orakelt, dass im Hintergrund ökonomische Interessen eine Rolle spielen, so zeugt dieses durchaus von einem ausgeprägten Realismus, mit welchem in einer Zeit gepredigter Idealismen leider all zu sparsam umgegangen wird. Übrigens trifft dieses für beide Seiten zu, denn es ist eine Illusion, dass der gekündigte Pächter seinen Kampf auf Grund ideeller Vorsätze im Interesse seiner Gäste führt. Eher ist es so, dass die Kündigung einer Vertreibung aus dem Paradies gleicht, denn die Bedingungen, welche der Pächter vom Verein geboten bekommen hat, sind für gastronomische Unternehmungen geradezu ideal. Jeder der einmal einen gastronomischen Betrieb geführt hat und noch führt, kann dieses sicher bestätigen. So beläuft sich die Pacht auf 550,-€ im Monat und das inklusive Wasser, Strom, Gas, Heizung etc. Dazu kommt noch, dass der Pächter von den Veranstaltungen profitiert und bis vor kurzem Mitarbeiter und Ehrenamtliche des Vereins sogar noch für den Pächter Getränke bei Veranstaltungen im Saal verkauften. Auch die Kinobesucher und andere Gäste des Hauses greifen auf das Angebot der Kneipe zurück. Da nun der gekündigte Pächter aber seine Leistungen immer mehr zurückgefahren hat, besteht von Seitens des Vereins keine Notwendigkeit mehr diesen zu subventionieren. Letztlich führte die Strategie, es kann auch Konzept genannt werden, des Pächters dazu, dass das Verhältnis zwischen den Vertragspartnern immer schlechter wurde, dieses ging sogar soweit, dass gegen den Verein gearbeitet wurde. Mit Toleranz gegenüber den Gästen der Kneipe hat das allerdings relativ wenig zu tun, eher mit Toleranz des Vereins gegenüber den Verhaltensweisen des Pächters, welcher seine Verantwortlichkeit an der Kneipentür für beendet erklärte. So ist es in der Vergangenheit nicht selten vorgekommen, dass Mitarbeiter des Vereins die Hinterlassenschaften der vorherigen Kneipennacht beseitigen mussten. Der Pächter darauf angesprochen, schob die Verantwortung auf seine Mitarbeiter, wobei er nicht einmal ein Wort des Dankes, für die Erledigung seiner Aufgaben, übrig hatte.
Nun hat der Pächter seine Forderungen dem Verein gegenüber aufgemacht und die Summe welche er begehrt ist nicht gerade niedrig, die Begründung aber dafür umso obskurer. Um dieser Begründung Nachdruck zu verleihen, hat er dem Forderungsschreiben buchhalterische Unterlagen seines Geschäftsbetriebes beigefügt. Die vorgelegten Zahlen für 2010 und 2011 sind alles andere als Berauschend, zwar war sein Gewinn durchaus respektabel, allein die Umsätze sind alles andere als außergewöhnlich für eine Kneipe. Dass der ausgewiesene Gewinn vor Steuern trotzdem nicht schlecht ist, liegt weniger im Umsatz begründet, sondern in der Kostenstruktur mit welcher er arbeiten konnte.   

Übrigens, die Position, welche der gekündigte Pächter der Kneipe im Kulturzentrum gegenüber diesem und dem Verein einnimmt, ist auch daran zu sehen, welche Form der Auseinandersetzung er wählt und welche Helfer er bis in Quedlinburger Politikerkreise hinein rekrutiert.
Und obwohl er gewusst hat, dass die Ratsversammlung beschlossen hatte, ihm den Pachtvertrag zu kündigen, hat er das Gespräch nicht gesucht und nach dem ihm die Kündigung überreicht wurde, hatte er nichts Eiligeres zu tun, als dem Vorstand und dem Verein zu drohen. Letztlich und geführte Gespräche mit dem Geschäftsführer, dem Vorstand, Vorstandsmitgliedern, sowie einer gut besuchten Veranstaltung im Saal vor einiger Zeit, zeigen, dass der Pächter nicht bereit war zur Kooperation, sondern eine konfrontative Haltung eingenommen hat und sich selbst nicht an Absprachen hielt.
Heute am 15.05.2013 finden sich zum Thema zwei Leserbriefe in der MZ, auch in diesen wird eher die emotionalisierende Linie des Gekündigten vertreten, was zu einer durchaus einseitigen Betrachtungsweise führt. Dabei wäre bei den Schreibenden zu vermuten, dass sie sich im Gastronomiegewerbe und die damit verbundenen Bedingungsgefügen auskennen.
Aber wie schon geschrieben, Möglichkeiten hätte es sicher gegeben, dieses Thema anders zu behandeln, allein die konfrontative Verhaltensweise des gekündigten Pächters, seine Unfähigkeit sich direkt an den Vorstand zu wenden und das Gespräch, mit der Absicht gemeinsam eine Lösung für die bestehenden Probleme, zu suchen, haben dieses verhindert. Gespräche, welche auf Initiative des Geschäftsführers, des Vorstandes und einzelner Vorstandsmitglieder geführt wurden, sind in ihrer Konsequenz für Veränderungen ohne Wirkung geblieben.  

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