Zitat:

Es setzt sich nur so viel Wahrheit durch, als wir durchsetzen; der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein. - Bertold Brecht, „Leben des Galilei“

Zitat:

Bedrohlich ist das Volk für die Herrschenden, wenn es ohne Furcht ist.“ -Tacitus (römischer Historiker)

Zitat:

Die Furcht vor Übervölkerung tritt stets in Perioden auf, in denen der bestehende Sozialzustand im Zerfall begriffen ist. August Bebel

Sonntag, 14. September 2014

Ein Roman wurde mir empfohlen, ...


Ein Roman wurde mir empfohlen, „Der Luther-Roman“ „Feuer“ von Waltraut Lewin und der Empfehlung folgend, nahm ich diesen Roman mit in den Urlaub. Dort hatte ich ihn allerdings für meine Verhältnisse ziemlich schnell ausgelesen, obwohl diese Literatur nur fürs Quartier gedacht war, unterwegs begleitete mich der Band 179 aus „Reclams Universal-Bibliothek“, die 21. Auflage. Historisch ist die Handlung im Band ca. 100 Jahre nach Luther angesiedelt und spielt in Italien. Auch wenn es viele Parallelen gibt, letzteres soll hier nicht Gegenstand sein, genauso wenig wie das dritte Buch, welches ich in Angriff genommen habe, durchaus zu den zwei Büchern passt, allerdings in der Gegenwart spielt.
Bildung und Erkenntnis sind ein Thema, welches die verschiedensten Jahrhunderte durchzieht, eigentlich die gesamte Menschheitsgeschichte begleitet, ja die Entwicklung der Menschen entscheidend beeinflusst.
„Der Luther-Roman“ lässt sich sehr gut lesen, der rote Faden geht nie verloren, auch wenn manche Wendung vollzogen wird. Anschaulich wird das Leben Luthers geschildert, eines Menschen, welcher Produkt seiner Zeit, mit den Widersprüchen dieser Zeit permanent konfrontiert wird und an diesen gelegentlich zu zerbrechen droht. Seine Stärken und Schwächen kommen zum Tragen und das nicht ohne Folgen für viele seiner Mitmenschen, Förderer, Widersacher, Anhänger. Die Rolle Luthers wird treffend in die Zeit eingeordnet, es werden Grenzen aufgezeigt, aber auch die Ursachen derselben. Im Roman wird Luther nicht idealistisch verklärt, sondern in seiner Komplexität und Widersprüchlichkeit im Kontext seiner Zeit gesehen. Er wird als Mensch dargestellt, welcher geprägt von seiner Umwelt mehr ein getriebener als ein treibender ist. Der Roman gewährt Einblicke in seine Kindheit und Jugend, in seine Studienzeit und die Umstände, welche Luther veranlassten in ein Kloster zu gehen. Eindrücklich wird sein weiterer Werdegang geschildert und die Kräfte, welche sein Handeln bewegten, diese waren allerdings weniger göttlicher Art, als gesellschaftlichem Sein geschuldet. Seine Rolle in den Machtkämpfen seiner Zeit, aber auch sein Versagen als Reformator, welcher auf halbem Wege stehen geblieben ist, womit er die Möglichkeit verpasste die christliche Religion zur Religion der Menschen zu machen, sie ihres herrschenden, beherrschenden Charakters zu berauben und befreiende Wirkung zu entfalten. Die herrschenden Verhältnisse im Reich waren für Luther kein Grund der Kritik, sondern Gott gewollt. Somit verkündete er Gottes Gnade fürs Himmelreich, irdisches Sein sollte allerdings davon verschont bleiben, hier manifestierte er die herrschenden Verhältnisse und die damit verbundenen Folgen für die meisten Menschen, insbesondere die Bauern. Einer direkten Auseinandersetzung mit Müntzer zur Zeit der Bauernkriege, welchen er von Diskussionen in Wittenberg kannte, ist er aus dem Weg gegangen, im Gegensatz dazu hat er sich bei den Fürsten angebiedert. Letzteres hielt ihm allerdings nicht davon ab, im Laufe der Zeit Ansichten weiter zu entwickeln und Einstellung zu ändern, so zum Beispiel gegenüber dem weiblichen Geschlecht. Auch spiegelt der Roman das Verhältnis Luthers zu den Juden, welches durchaus hoffnungsschwerer Wandlungen unterworfen war.
Interessant ist dieses Buch im Zusammenhang des 500 jährigen Jubiläums des Thesenanschlages an das Tor der Wittenberger Schlosskirche im Jahre 1517. Ein Roman, welcher Einblicke in die Geschichte der Reformation, ihren Ursachen und Beweggründen gibt, kurzweilig zu lesen ist und passend zur Lutherdekade erschienen. Letztlich aber nicht nur Inhaltlich, sonder auch Sprachlich ein anspruchvolles Buch!  

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