Zitat:

Es setzt sich nur so viel Wahrheit durch, als wir durchsetzen; der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein. - Bertold Brecht, „Leben des Galilei“

Zitat:

Bedrohlich ist das Volk für die Herrschenden, wenn es ohne Furcht ist.“ -Tacitus (römischer Historiker)

Zitat:

Die Furcht vor Übervölkerung tritt stets in Perioden auf, in denen der bestehende Sozialzustand im Zerfall begriffen ist. August Bebel

Montag, 10. Juli 2017

Aber was gibt es nicht alles zu hören? ...

Gelegentlich gehe ich durch die Straßen der Stadt, manchmal spazieren mit den Hund, auch kann es sein das irgendetwas zu besorgen ist, aber am häufigsten durchquere ich die Stadt mit Gästen. Dabei geht es durch Raum und Zeit, an den verschiedensten Bauwerken aus den verschiedensten Jahrhunderten vorbei, auf historischen Spuren bis auf den Burgberg, mit seinem Schloss und der spätromanischen Stiftskirche. So jedenfalls die allgemeine Tour, thematisch ausgerichtete Touren können schon mal einen anderen Verlauf nehmen, dabei sind Besuche in Gebäuden, in Museen, in Wasserläufen und auf Türmen möglich. Aber es geht nicht nur durch die Stadt, sondern auch durch ihre Geschichte, in Verbindung mit den verschiedensten historischen Ereignissen im Land, in Europa und der Welt! Eine Führung, ein durchaus komplexes Thema, welches verdient behandelt zu werden, kurzweilig und unterhaltsam! Manch Legende gibt es zu erzählen, mach Widersinn zu offenbaren und Widersprüche zu erkennen, ein Anspruch auf Vollständigkeit kann allerdings nicht erhoben werden, in Quedlinburg stehen immerhin 92ha unter Denkmalsschutz und auf dieser Fläche gibt es kulturelles Erbe zu entdecke, welches eigentlich bis zu den ersten Besiedlungen dieser Gegend vor über 6000 Jahren zurück reicht.
Es gibt nicht nur viel zu sehen, sondern auch viel zu erzählen und desto mehr sich mit der Stadt, dem Stift und den verschiedensten historischen Epochen beschäftigt wird, desto weiter in die Komplexität und den städtischen Bezügen zum Umland und der Welt eingedrungen wird, desto mehr Möglichkeiten ergeben sich den verschiedensten Ansprüchen der Gäste dieser Stadt gerecht zu werden.
Nun führe ich nicht nur Gäste durch die Stadt, sondern durchquere die Stadt auch aus anderen Gründen, wie oben schon erwähnt und so passiert es gelegentlich das ich Zeuge manch Aussage zur Stadt werden, welche im Zuge einer Stadtführung getroffen wird. Oft ist es nicht zu vermeiden, gelegentlich höre ich aber auch bewusst zu, da die Qualität von Stadtführungen in Quedlinburg sehr unterschiedlich ist und oft viel zu wünschen übrig lässt. Prinzipiell ist es in der Stadt so, dass ein jeder, eine jede hier Stadtführungen anbieten kann, dafür ist nicht einmal eine Qualifikation erforderlich und so kann den Gästen unter Umständen auch jeder Blödsinn erzählt werden. Wenn sich anschließend beschwert wird, spielt es in der Regel keine Rolle, es bleibt also ohne Konsequenzen. Gerechtfertigt wird ein solches Vorgehen mit der Freiheit des Marktes, was letztlich also nur bedeutet, dass die oft gepriesene Freiheit des Marktes darin besteht, dass es völlig egal ist, was den Menschen verkauft wird, wichtig ist nur das sie kaufen! Vielfalt wird so der Einfallt gopfert, sowie vorschub geleistet und Qualität, quantitativen Erwägungen geopfert. Das eine solche Vorgehensweise mit der produzierten Einfallt, auch einfältige Menschen hervorbringt, ist eine anscheint gewollte Folge.
Allerdings wird Quedlinburg viel von „Kulturtouristen“ besucht, welche im allgemeinen einen etwas höheren Anspruch stellen und dem gesellschaftlichen Hauptstrom der Einfältigkeit zumindest Parzelle entgegen-schwimmen.
Aber was gibt es nicht alles zu hören? Allgemein konnte ich feststellen, das ein geringes Wissen über die Stadt und deren Geschichte dazu führt dieses durch Floskeln und Belanglosigkeiten zu ersetzten. So konnte ich jüngst hören, dass ein Stadtführer feststellte, dass es in einem Geschäft, an dem eine Eisfahne hing, leckeres Eis zu kaufen gibt, aber auch Sämereien aus Quedlinburg. Darauf hat er mit einem Handzeichen verwiesen, nach dem er seinen Gästen erklärt hatte, dass vor der Blasiikirche ein Brunnen steht. Was er seinen Gästen in der Kirche erzählt hat, kann ich nicht sagen, oben erwähnte Aussagen traf er in der Zeit, als ich seine Gruppe mit einer anderen Gruppe passierte. Etwas später, ich war mit meiner Stadtführung fertig, traf ich den Herren mit seiner Gruppe auf dem Schlossberg wieder, wo er seinen Gästen erklärte, dass es hier zwei Kaffees gab, in denen es Käsekuchen zu essen gibt und es den besten Käsekuchen in diesem Kaffee, auf welchen er mit der Hand wies, gäbe. Bevor er mit seiner Gruppe den Burgberg erklomm, verwies er auf das Geburtshaus Klopstocks und erwähnte das Klopstock ein Dichter war und den Messias geschrieben hat. In diesem Zusammenhang erwähnte er noch Steuerwaldt, welcher ein Mahler war. Anschließend folgte ihm seine Gruppe auf den Burgberg.
Neue Besen kehren gut, allerdings mit einem Besen ohne Borsten wird das Ergebnis nur mäßig sein! An einem anderen Tag betrat ich mit Hund den Marktplatz und konnte erfahren, dass am Ende der Steinbrücke sich einst ein Stadttor befand und das Haus am rechten Eingang zur Steinbrücke aus dem 19Jahrhundert stammt. Andermal hörte ich vor dem Rathaus, dass dieses sehr alt sei und sich im Eingangsbereich mehrere Plaketten befinden, welche auf die verschiedensten Jubiläen verweisen. Der Roland links vor dem Rathaus besteht aus Stein und steht vor dem Rathaus, welches sehr alt ist. Weiter in den Schuhhof, an dessen Eingang einmal zu hören war, das einst Steine vom Balkon des neuen Rathauses gefallen, aus diesem Grund abgesperrt gewesen und später saniert. Gefühlte 10 Minuten wurde sich mit dem Thema der gefallenen Steine beschäftigt. Das Heinrich I. der erste deutsche König war, wird ja fälschlicherweise von verschiedenster Richtung behauptet, das es zu dieser Zeit noch kein deutsches Reich gab und er auch keins begründet hat, wird gern ignoriert, oder nicht wahrgenommen. Einmal konnte ich erfahren, dass zum Schatz in der Stiftkirche die älteste deutsche Bibel gehört, welche aus den USA zurückgekehrt ist. Überhaupt wird gern im Stile des Blinden über die Farbe gesprochen, also Dinge erklärt, welche für die Besucher nicht zu sehen sind. Das Quedlinburg in der DDR eigentlich schon abgerissen war, ist gelegentlich ebenfalls zu erfahren, keine Rede davon, dass schon in der DDR erhebliche Leistungen erbracht wurden, Quedlinburg in seiner historischen Struktur zu erhalten....

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