Zitat:

Es setzt sich nur so viel Wahrheit durch, als wir durchsetzen; der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein. - Bertold Brecht, „Leben des Galilei“

Zitat:

Bedrohlich ist das Volk für die Herrschenden, wenn es ohne Furcht ist.“ -Tacitus (römischer Historiker)

Zitat:

Die Furcht vor Übervölkerung tritt stets in Perioden auf, in denen der bestehende Sozialzustand im Zerfall begriffen ist. August Bebel

Sonntag, 12. August 2018

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Auf der Facebook-Seite der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt wird regelmäßig auf Veranstaltungen verwiesen. Viele Veranstaltungen beschäftigen sich mit der DDR, dem Leben in der DDR, besonderen Ereignissen und Gründen ihres Untergangs. Das diese Landeszentrale ein Instrument des ideologischen Kampfes ist, sollte eigentlich jedem klar sein, dabei ist ein Hauptziel Alternativen zum gegenwärtigen gesellschaftlichen System zu negieren, es als die einzige Möglichkeit menschlichen Seins auf diesen Planeten darzustellen. Gut ist daran zu erkennen, mit welcher Vehemenz und Inbrunst Geschichte diesen Zweck dienend aufgearbeitet wird. Dabei geht es weniger um die DDR, diese gibt es ja schon lange nicht mehr, sonder sie ist ein Mittel zum Zweck, und zwar um den Sozialismus als Alternative zum Kapitalismus/Imperialismus zu negieren. Das zu diesem Zweck gern in die Mottenkiste gegriffen wird, Geschichte eher verklärt, als erklärt und Persönlichkeiten und ihre Taten überbetont werden, ist nicht neu und so wurde auf eine Veranstaltung, welche am 16.08. diesen Jahres in Zeitz stattfinden soll, verwiesen. Der Titel der Veranstaltung: „1976. Die DDR in der Krise - Lesung mit Autor Karsten Krampitz.“
Zum Beitrag hatte ich einen Text geschrieben, allerdings mich entschlossen nur folgendes Zitat zu veröffentlichen:
Die Bourgeoisie macht alles zu einer Ware, also auch die Geschichtsschreibung. Es gehört zu ihrem Wesen, zu ihren Existenzbedingungen, alle Waren zu verfälschen: sie verfälscht die Geschichtsschreibung. Und diejenige Geschichtsschreibung wird am besten bezahlt, die im Sinn der Bourgeoisie am besten verfälscht ist.“
F. Engels, Material for the History of Ireland, Aus den Fragmenten zur „Geschichte Irlands“, 1870 – MEW Bd. 16, S. 499 – 500.

Zum Zitat gab es eine Diskussion, aber hier erst einmal die ursprünglich niedergeschriebenen Gedanken:

Die Macht des opponierenden, individuellen Seins, der Anfang vom Ende der DDR? … das ein Asylant ausgewiesen, weil er den Anforderungen an einem Asylanten nicht gerecht wurde, also sich nicht wunschgemäß an die gesellschaftlichen Verhältnisse anpasste und sich diesen unterordnete, ist so ungewöhnlich nicht und in der BRD heute an der Tagesordnung. Zu unterstützen ist das nicht, auch hat sich die DDR mit der sogenannten Ausbürgerung von Biermann keinen Gefallen getan, das Problem nicht anders zu lösen, kann durchaus als Schwäche angesehen werden. Allerdings Biermann war Asylant, er kam aus der BRD in die DDR und wurde von der DDR einige Zeit später wieder in die BRD zurückgeschickt. Das passiert heute sehr häufig, täglich werden „Asylbewerber“ des Landes verwiesen, weil ihr Asylanspruch abgelehnt wurde, aus welchem Grund auch immer. Wenn allerdings vom lange praktizierten bundesdeutschen Alleinvertretungsanspruch ausgegangen wird, wurde Biermann auch nicht „ausgebürgert“ sondern nur umgesiedelt.
Dann noch ein Prediger, dessen Herde schrumpfte und welcher sich als Zeichen des Wiederstandes gegen die schrumpfende Herde anzündete, den Freitod wählte. Da letzteres von der Kirche allerdings als Selbstmord verunglimpft, wird diese Tat als Märtyrertum gepriesen. Selbstverbrennungen waren in dieser Zeit allerdings nicht so selten, in der DDR hat es nur eine gegeben, hätten sich 4 – 10 seiner Amtskollegen zu selbigen entschlossen, … haben sich aber nicht, wobei Stellung und Rolle der Kirche in der DDR bei der Betrachtung nicht außer acht gelassen werden sollten. Und selbst wenn Biermann nicht ausgebürgert worden wäre, diesen Jammersänger hat doch kaum einer in der DDR außerhalb von Berlin gekannt und Brüsewitz hätte sich trotzdem angezündet, zugute ist ihm zu halten, dass er nur sich selbst in Mitleidenschaft gezogen hat, der Befehl eines bundesdeutschen Oberst in fremdem Land kostet mit einem Schlag über Hundert Eingeborenen das Leben, zum Lohn wurde er General!
Nun ja, der Palast der Republik wurde als Symbol des Sozialismus in der DDR nach deren Untergang abgerissen, Biermann lebt bis heute in der BRD dank seiner kurzen DDR-Vergangenheit als Instrument der ideologischen Kriegsführung gegen eine sozialistische Alternative, welches ihm im Westen Lohn und Brot verschaffte und Brüsewitz wurde ein Denkmal gesetzt, wozu eine später gesuchte Säule Verwendung fand, an die sportlichen Erfolge der DDR konnte die BRD niemals anknüpfen. Ab 1990 folgten den Helden des Widerstandes, die Helden der Abwicklung einer ganzen Volkswirtschaft, welches die Vertreibung vieler Ostdeutscher aus ihrer angestammten Heimat zur Folge hatte. Es wurde das Billiglohnland Ost geschaffen, in dem heute über zunehmenden Fachkräftemangel geklagt und die Verelendung immer breiterer Bevölkerungsschichten befördert wird. Die neue Armut im Osten, aus dem Westen importiert, befördert nun schon wieder die alte Armut, die Schlangen an den Tafeln werden immer länger und auch Suppenküchen, Kleiderkammern, Sozialkaufhäuser dienen der Linderung der Auswirkungen wachsenden Elends. Das zu relativieren, die Helden der Vergangenheit zu loben und ihre Opfer zu preisen, werden die Lohnschreiber in Bewegung gesetzt und arbeiten Geschichte im Sinne der Herrschenden auf, es kann nicht sein, was nicht sein darf und das Böse ist ohnehin immer und überall in der DDR gewesen, glorreich die neue Zeit … und die immer bessere Organisation des gesellschaftlichen Elends, der Elendsverwaltung, der Elendsindustrie!
Wie Elend – ein Elender!

Weitere Beiträge von mir zur Diskussion zum Zitat:

- … nun ja, gerade weil er von den "modernen" Geschichtswissenschaften Ahnung hatte und erkannt, dass diese einem Zweck zu dienen haben, hat er obiges geschrieben. ... Oder wollen Sie ernsthaft behauten, das kritisch und objektiv heute im Hauptstrom mit der Geschichte umgegangen wird? ... so gesehen wird sich auch nicht um Geschichte gestritten, sondern um deren Interpretation ... und mal ehrlich, wird in diesem System nicht alles zur Ware gemacht, selbst für soziale Verhältnisse trifft dies zu und die Qualität einer Ware zeigt sich im Nutzen, welchen sie für jene hat, die sie erwerben …! Aber vielleicht sehe ich auch etwas nicht so richtig, aus diesem Grund möchte ich Sie bitten, mir zu erklären, was Sie unter "moderner Geschichtswissenschaft" verstehen! Danke!

- … nun ja, Geschichtsliteratur aus dem 19. Jahrhundert, Geschichtsliteratur aus dem 20. Jahrhundert, Geschichtsliteratur aus dem 18. Jahrhundert, aus dem 17. 16. 15. 14. … usw. usf. Geschichtsliteratur, oder besser Literatur welche sich mit Geschichte beschäftigt, gibt es schon sehr lange und was ich kenne, oder nicht, wissen Sie nicht, sie spekulieren nur, es kann nicht sein, was nicht sein darf und so wird behauptet, wie in der Auseinandersetzung mit historischen Ereignissen nicht unüblich. Dabei wird sich nicht mit dem eigentlichen Gegenstand (Engelszitat) auseinandergesetzt, sondern es wird der Umweg über vermeidliche Erkenntnis genommen, die unterstellterweise nicht vorhanden sein kann. Und sicher habe ich nicht all das gelesen was Engels gelesen hat, das ist übrigens auch nicht relevant, es ist der Umgang mit der Geschichte, es ist die Herangehensweise an historische Ereignisse.
Aber wie schon geschrieben, woher Ihre Erkenntnis, was möglich und was nicht? Und wo wurde ein Vergleich zur heutigen Geschichtsliteratur gezogen, in dem ein Zitat gebracht? Das Zitat verweist eher auf den praktizierten Umgang mit geschichtlichen Ereignissen. Mit der Aussage des zitierten setzen Sie sich allerdings nicht auseinander, eher versuchen Sie mittels Vermutungen und Behauptungen auf einen Nebenschauplatz auszuweichen, auf den Sie vermeinen, vom zitierten abzulenken und … ja und …!
Und da Sie sich anders nicht zu helfen wissen, sehen Sie sich letztlich gezwungen die Keule der „ideologischen Befangenheit“ zu schwingen. Was wiederum die Richtigkeit des Zitierten bestätigt. Allerdings wenn solches praktiziert wird, kann davon ausgegangen werden, dass eine sehr beschränkte Ansicht von Ideologie vertreten wird. Das macht aber nichts, Standpunkte können durchaus verschieden sein und Auseinandersetzungen sind in der Regel immer Interessensorientiert, und so noch einmal Engel und Marx: „Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d. h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht. „ (MEW, 3, S. 46)

- Nun ja, was so als Geschichtswissenschaft, mit dem Attribut modern, gesehen wird, dass allerdings vordem nur Geschichtenerzähler unterwegs waren, ist wohl eine reichlich naive Ansicht, auch in der Vergangenheit wurde sich mit der Vergangenheit auseinandergesetzt und es wurden sogar Lehren aus der Geschichte gezogen. In dem Zusammenhang sei ebenfalls auf F. Engels verwiesen, er setzte sich mit den verschiedensten Entwicklungen in der Vergangenheit auseinander, so zum Beispiel mit dem deutschen Bauernkrieg und vieles andere mehr. Aber was soll es, die moderne Welt hatte nach 1990 ja schon das Ende der Geschichte verkündet, ... was ist schon Geschichte?

- … nun es wird ein Engelszitat genutzt, weil es treffend für die Art und Weise der Geschichtsaufarbeitung ist. Sie ist manipulativ, es kann nicht sein, was nicht sein darf und Helden werden ausgemacht, so das Ende angedacht, oder der Anfang vom Ende bis zur Wende. Nur lag es wirklich an den genannten Personen, die das Ende der DDR einläuteten? Das ist a-historisch, allerdings ist das die gegenwärtige Beschäftigung mit der Geschichte meistens. Engels setzte sich erfrischend anders mit Geschichte auseinander, hat was mit dialektischen und historischen Materialismus zu tun. Aber gut, unsere weltanschaulichen Grundlagen sind durchaus verschieden, was verschiedene Schlüsse zulässt, sie sind weltanschaulich sicher dem Idealismus zuzuordnen, was in einer Zeit gepflegten und hofierten Irrationalismus nichts besonderes darstellt. Und Max Weber, ein führender Vertreter des Neopositivismus in der spätbürgerlichen deutschen Ideologie. Seine wissenschaftlichen Auffassungen trugen entscheidend zur Umwandlung der Gesellschaftstheorie in eine „sozialtechnologische“ Ideologie bei. … Aber was soll es … Geschichte.

- … sehen Sie, dass ist der Unterschied, ich setze mich mit der Geschichte auseinander, Sie folgen den Vorgaben und Ihrem Glauben, danach kann nicht sein, was nicht sein darf und heute ist ohnehin alles anders, wir leben in keiner kapitalistischen Gesellschaftsformation, sonder in einer Gesellschaft des Friede, Freude und Eierkuchen für alle. In einem Staat, welcher allerdings wieder Krieg gegen andere Völker führt, wo psychische Krankheiten zunehmen und die Schlangen an den Tafeln immer länger werden! Die Unabhängigkeit der gleichgeschalteten Forschung auf gesellschaftswissenschaftlichem Gebiet wird gepriesen und das Grundgesetz ist voll voller formaler Rechte, welche für immer mehr Menschen allerdings keine reale Bedeutung haben. ... Und Geschichte ... was soll es, wird von Deppen gemacht, welche anarchistisch daherkommen, um am Rad des Schicksals zu drehen! ... Nein, Ihre weltanschauliche Grundlage ist eine Andere als meine und so werden wir auch verschiedene Ergebnisse erzielen, ... es möge viele Meinungen geben, allerdings nur eine Wahrheit, welcher sich in Unendlichkeit angenähert werden kann! Und so sei Brecht bemüht, welcher feststellte: "Es setzt sich nur so viel Wahrheit durch, als wir durchsetzen; der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein." - „Leben des Galilei“

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