Zitat:

Es setzt sich nur so viel Wahrheit durch, als wir durchsetzen; der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein. - Bertold Brecht, „Leben des Galilei“

Zitat:

Bedrohlich ist das Volk für die Herrschenden, wenn es ohne Furcht ist.“ -Tacitus (römischer Historiker)

Zitat:

Die Furcht vor Übervölkerung tritt stets in Perioden auf, in denen der bestehende Sozialzustand im Zerfall begriffen ist. August Bebel

Freitag, 6. November 2009

Eine Diskussion, welche Kreise zieht!

Eine Diskussion, welche Kreise zieht!

An dieser Stelle hatte ich dieses Thema schon einmal aufgegriffen, ohne zu wissen wie die Entwicklung weiter geht. Hier gab es einen offen Brief, welcher nicht ohne Berücksichtigung blieb und die Diskussion nochmals anheizte. Hartes Geschütz wurde aufgefahren und sogar die sachliche Ebene verlassen. Letzteres veranlasste mich zur Distanzierung von einer Aktion, an welche ich mich im Verlauf, und nach besserer Verständigung, wieder angeschlossen habe. Damit aber nicht genug, die Kreise weiteten sich, das Thema wurde auch hier zum Gegenstand und diskutiert. Nun hatte ich mir nochmals das Konzeptpapier von AmSel vorgenommen und per Mail einem Diskussionspartner meine Gedanken dazu mitgeteilt. Eigentlich handelt es sich hierbei um ein Papier, welches ich gewöhnlich nicht über die Einleitenden Worte hinaus lese, auf Grund der Diskussion hatte ich es einmal quer gelesen und mir einige Abschnitte etwas genauer angesehen. Übrigens ist es etwas verwunderlich, dass der Autor und Betreiber kritisierter Internetseite, sich nicht zu Wort meldet. Nun ja, ganz stimmt dieses ja nicht, zum Einen hatte er eine Stellungnahme verfasst, welche ebenfalls diskutiert wurde und zum Anderen fanden diese Vorgänge in einem weiteren Beitrag ihren Niederschlag. Direkt mit einander haben die Kontrahenten bis jetzt noch nicht diskutiert, nichts desto trotz hier einige Gedankengänge meinerseits.

Erstes E-Mail, leicht gekürzt und einen Teil des Inhalts hatte ich an anderer Stelle schon als Kommentar verwandt:

Übrigens habe ich mir das komplette Konzeptpapier (siehe Link oben) von AmSel einmal vorgenommen, „schwere Kost“, ich komme nur mühsam voran, da es sehr Langatmig und ermüdend geschrieben ist. Und soweit ich es bis jetzt für mich durchgearbeitet habe, quergelesen hatte ich es ja schon, bestätigt sich eigentlich mein erster Eindruck, dass dort die Lösungen gegenwärtiger Probleme in der Vergangenheit gesehen werden. Politisch wird auf ein System zurückgegriffen, welches die Bundesrepublik vor Schmidt und Kohl zum Vorbild hat, es wird die Regionalisierung der Wirtschaft angestrebt und der Neoliberalismus soll gegen den Keynesianismus getauscht werden.

Aber wie schon gesagt, ich bin noch nicht durch, in jedem Fall hätte ich an dem Konzept mehr auszusetzen, als nur den der Diskussion zugrunde liegende Punkt.

Was nun die Delegitimierungsangelegenheit betrifft, so sollte man sich da keiner Spekulationen hingeben, sondern den Tatsachen ins Auge sehen, dieses betrifft übrigens auch die angebliche, wirtschaftliche Schwäche Deutschlands. Immerhin ist dieses Land einer der größten Industrienationen und der mächtigste Staat in Europa.

Mit dem Beitritt (DDR) wurden Realitäten geschaffen und ich bin der Meinung, dass die Verfassungsklausel, für den Falle der deutschen Einheit, nur ins Grundgesetz aufgenommen wurde, um es durch die Hintertür, ohne Volksabstimmung zu legitimieren. Nicht zu vergessen, wem nutzt letztendlich eine solche Diskussion und was würde sich verändern? Ich weiß das es viele Linke gibt, welche sich gern an diesem Thema auslassen und ich weiß auch, dass es nicht wenige Linke gibt, welche im Keynesianismus eine Lösung für die gegenwärtigen Probleme sehen. Das dem aber nicht so ist, kann an den Entwicklungen in der Vergangenheit gesehen werden.

Wenn wir uns der Machtverhältnisse in diesem Land bewusst sind, dann ist es eine Illusion anzunehmen, dass dem Volk irgendetwas freiwillig in die Hand gegeben wird, welches ihm Einfluss auf Entscheidungen gewähren würde und wo solche Zugeständnisse gemacht (eigentlich erkämpft) wurden, wie im Falle von Volksabstimmungen ab Landesparlamente abwärts, wurde nicht vergessen diverse Bremsen einzubauen. Die deutsche Einheit ist Geschichte, an dieser werden wir nichts mehr ändern und dass das Volk in diesem Land von grundlegenden Entscheidungen ausgeschlossen wird, hat in jüngerer Vergangenheit die Abstimmung zur EU-Verfassung gezeigt, es gab schlicht keine. Das diese trotzdem nicht zustande gekommen ist, ist einzig und allein den Völkern zu verdanken, welche abstimmen durften. Dieses wurde dann durch den Lissabonvertrag umgangen und die EU-Verfassung durch die Hintertür installiert. Die Iren stimmten dagegen und was geschah? Die Abstimmung wurde defakto nicht anerkannt und mit dem bekannten Ergebnis wiederholt. So ist es mit Gesetzen und der Gesetzgebung, da über Gesetzesverstöße der Vergangenheit, durch die Gesetzgeber selbst, zu diskutieren, um Veränderungen zu erwirken, ist reichlich Sinnlos und Naiv. Im Zweifelsfall wird ein neues Gesetz erlassen, welches alles für gut und richtig erklärt. Und wurde das Volk zur Spaltung Deutschlands befragt und warum sollte es zur Gestaltung der Einheit gefragt werden?

In diesem Zusammenhang erachte ich es als viel wichtiger aufzuzeigen, wer die Spaltung eigentlich betrieben hat und in welchen der beiden deutschen Staaten es eine Verfassung gab, welche per Volksentscheid beschlossen wurde? Wir können aus der Vergangenheit lernen, verändern können wir sie nicht mehr, es ist Geschichte! Einzig und allein die Gegenwart können wir beeinflussen, und auf diese gilt es sich zu konzentrieren.

Auch wie es dieser Staat mit Rechten hält, wie schnell Gesetze gegen allgemeines Interesse erlassen werden können und wie wenig der Bürger dazu beisteuern darf, dieses ist alltäglich sichtbar, dort gilt es anzusetzen!

Die Bundesrepublik ist ein legitimer Staat, eine Wirtschaftsmacht, und dieses unabhängig von den Klischeevorstellungen einiger weniger.

Entschuldige, jetzt habe ich mich richtig in Rage geschrieben und dabei liegen wir ja nicht einmal soweit auseinander. Übrigens, im Zusammenhang mit den von Dir genannten Ansinnen, mit der delegitimierung des Grundgesetzes, im Zusammenhang mit der deutsche Einheit, den Lissabonvertrag zu negieren, fällt mir ein interessantes Gleichnis ein. Die USA haben im August 1945 zwei Atombomben über Japan abgeworfen, mit verheerenden Folgen, gegen den Abwurf dieser zwei Bomben zu demonstrieren, ist vollkommen Sinnlos, aber gegen die noch scharfen, nicht abgeworfenen und noch für einen Einsatz bestimmten Bomben zu demonstrieren, das macht Sinn.

Ja …, es kommt darauf an Netzwerke zu schaffen, welche in der Lage sind nicht nur auf aktuelle Problem schnell zu reagieren, sondern diesen schon im Vorfeld zu begegnen und das Europaweit, eigentlich sogar Weltweit.

Letztendlich kann es aber auch nur darum gehen, die Ursachen der Probleme zu beseitigen.

Zweites E-Mail, ebenfalls leicht gekürzt:

Hallo,

ergänzend zu meinem E-Mail vom letzten mal (zum Thema AmSel), in welchen ich einiges zum Text geschrieben hatte, noch folgendes:

Ein Grundgedanke dieses Schreibens ist die Illusion von der Zähmbarkeit des Kapitalismus. Dessen Entwicklung unterliegt objektiven Gesetzmäßigkeiten, welche in keiner Weise Berücksichtigung finden.

Und auch die im Text benannten Bündnispartner, weisen genauso auf das kleinbürgerliche Milieu hin, wie die Ziele und Lösungsansätze.

Die gegenwärtige Stellung der Bundesrepublik in der Welt, ihren Einfluss, ihre Macht und ihre Verantwortung für den sozialen Kahlschlag, … im eigenen Land und auch in Europa, sowie die geführten Kriege etc., wird dadurch negiert, dass die Bundesrepublik als Opfer geschichtlicher Ereignisse dargestellt wird und nicht als Ergebnis der geschichtliche Entwicklung, welche deutsche Politik selbst zu verantworten hat. Aus dieser angeblichen Fremdbestimmtheit wird abgeleitet, dass dieses Land endlich nach Emanzipation streben muss. Alle eigene Verantwortung wird somit negiert, >man kann ja nicht anderes, es sind von Außen wirkende Kräfte, welche die Schuld tragen,<>

Entsprechend auch die Aussagen zur Geschichtsschreibung.

Sicher wird in diesem System selbst die Geschichte gefälscht, verändert werden kann sie dadurch aber nicht. Wie auf Seite 10 und 11 zu lesen ist, wird aber gerade dieses angestrebt.

Nun wird die Bundesrepublik als ein Opferstaat dargestellt und welchen Zweck sollte dieses anderes haben, als bestimmte Maßnahmen (gegen welche sich an anderer Stelle ausgesprochen wird) zu rechtfertigen, diese zu entschuldigen und einem allgemeinen Sinn zugeben! Motto: wir können ja nichts dafür, die jetzigen Machtverhältnisse sind ja eigentlich nicht gewollt? Dem ist nur nicht so, die Bundesrepublik ist die mächtigste Industrienation in Europa und entscheidend für die Gesetzgebung in der EU, nicht nur mit Verantwortlich, sondern sogar treibende Kraft! Und dieses gerade auch für die Gesetzeswerke, welche kritisiert werden. Die Bundesrepublik ist ein Täterstaat und kein Opferstaat. Im eigenem Lande wird souverän agiert und Einmischung von außen nicht zugelassen. Selbst wenn oft betont wird, dass man diversen Zwängen unterliegt.

Hier handelt es sich um kleinbürgerliches Bestreben, welches die realen gesellschaftlichen Verhältnisse negiert und mit Hilfe einer Flucht in die Vergangenheit, versucht die Gegenwart zu gestalten. In diesem Zusammenhang wird vor Geschichtsverklärung und Geschichtsrevisionismus nicht zurück geschreckt. Die Zeit zwischen den Weltkriegen und nach den Weltkriegen wird kritisiert, die Kriege, welche Ausdruck und Ursache für diese Entwicklungen waren, selbst aber nicht, wie folgendem Zitat zu entnehmen ist: „Notwendige Einbeziehung einer kritischen Geschichtsaufarbeitung in das Streben nach völkerrechtlicher Souveränität unseres Landes und der Gleichstellung unseres Volkes mit den Völkern anderer „souveräner und freier Staaten“ der Weltgemeinschaft Die besagte Aufarbeitung der niedergeschriebenen „Geschichte der Sieger“ muss wenigstens bis in die Zeit vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges zurückgehen und sich besonders mit der Zeit von 1918/19 bis 1945-49 auseinandersetzen. Dies sehen wir auch als eine zentrale Verantwortung der zu erreichenden Kooperation an, soll hier aber nicht zu ausschweifend erläutert werden. – Wichtiger für uns und die von uns zu leistende Aufklärungs- und Aktivierungsarbeit ist sowieso eine Aufarbeitung der Zeit nach dem 8. Mai 1945, respektive 23. Mai 1949!“

Wie schon geschrieben, als ob dieses Land nicht völkerrechtlich souverän agieren würde? So bedeutet „kritische Geschichtsaufbereitung“ in diesem Fall eigentlich nur Umdeutung der Geschichte, mit dem Ziel geschichtliche Ergebnisse zu negieren, um sie zu revidieren, also im Nachhinein zu korrigieren und dieses vorsätzlich, allem Anschein nach, im Sinn der nicht kritisierten Zeit. Wie schon geschrieben, Geschichte kann zwar umgeschrieben werden, anders interpretiert, verändern wird sie sich dadurch nicht, verändert werden kann nur die Gegenwart! Um dieses zu rechtfertigen, wird die Vergangenheit so interpretiert, damit sie dem Ziele dienlich ist und so kann aus der Interpretation der Geschichte, auf das Ziel geschlossen werden.

Aber wie an anderer Stelle schon geschrieben, auch die allgemeinen Einschätzungen verlieren an Wirkung, auf Grund der Fehleinschätzung der politischen und wirtschaftlichen Situation. Wobei die wirtschaftlichen Verhältnisse die politische Form bedingen und nicht umgekehrt!

Soweit in der Kürze zum Thema, ansonsten ist es immer wieder erstaunlich wie viel geschrieben werden kann, um eigentlich nur sehr wenig zu sagen, der größte Teil des Textes besteht aus Allgemeinplätzen, welche zu allem Überfluss mehrfach wiederholt werden. Und wie beim letztem Mal, möchte ich in diesem Zusammenhang auch auf die Auseinandersetzung an anderer Stelle verweisen, die dort laufende Diskussion spricht für sich. Wobei im Zusammenhang mit dem Geschichtsrevisionismus die Verweise von Sepp und dessen Schlüsse sicher dienlich sein können.

Gruß

Ja, „wer reagiert die Welt?

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