Auch Quedlinburg soll nun in den Strudel des ökonomischen Niedergangs gerissen werden. Versprochen wird viel, gar die Rettung der Finanzen der Stadt und das mit vorindustrieller Energieversorgung. Deindustrialisierung war gestern, heute geht es darum den Rest wirtschaftlicher Aktivitäten zu schleifen. Dass das Projekt mit Zukunft beschrieben wird, versteht sich von selbst, soll doch zumindest ein Funke Hoffnung verbreitet werden, so das Menschen dazu neigen sich dem Vorhaben zu zuneigen. Die Pläne wurden ausgelegt und so wurden Stellungnahmen geschrieben, wie die folgende:
Stellungnahme zur 32. Änderung des Flächennutzungsplanes sowie zum Bebauungsplan Nr. 74 der Stadt Quedlinburg
Sehr geehrte Damen und Herren,
in Bezug auf die öffentliche Auslegung zum ,,Zukunftsprojekt Morgenrot“, Fristablauf zur Auslegung am 01.Juni 2026, teile ich ihnen hiermit meine Bedenken zum Erhalt des UNESCO- Welterbes bei Realisierung des Bauvorhabens mit.
Wir sind als Einwohner der Welterbestadt Quedlinburg betroffen.
Das UNESCO-Welterbe ist für die Stadt von herausragender kultureller und wirtschaftlicher Bedeutung, es ist in gewisser Weise das Rückgrat der Wirtschaft in Quedlinburg, nach der weitestgehenden Deindustrialisierung in den 1990ziger Jahren, geworden. Dank des damit geförderten Tourismus verfügt die Stadt über eine Beispielhafte touristische Infrastruktur, welche in ihrer Wirkung weit über das Stadtgebiet hinaus Wirkung zeigt. Im Zusammenhang mit dem Zukunftsprojekt Morgenrot, was aus verschiedenen Gründen zwar ein Projekt für die Zukunft ist, aber keine positiven Effekte für die Entwicklung der Stadt haben wird, sondern ganz im Gegenteil, für die Stadt Quedlinburg ein schwer kalkulierbares Risiko darstellt, dessen zukünftige Kosten für die Stadt nur schwer zu kalkulieren sind, kann festgestellt werden, dass der Verlust des Welterbtitels keine positiven Auswirkungen auf die touristisch geprägte Wirtschaft haben wird. Dieser Verlust ist sehr wahrscheinlich, worauf der Umgang mit entsprechenden Informationen der zuständigen Stellen schließen lässt. Der Tourismus wird dadurch nicht aufhören Wirtschaftsfaktor zu sein, allerdings ist mit Einbußen zu rechnen. Es wird sich ähnlich Verhalten, wie mit der Schließung des Kurzentrums in Bad Suderode, den Ort gibt es nach wie vor, allerdings waren die negativen Auswirkungen dieser Schließung auf die örtliche Wirtschaft nicht unerheblich.
Die touristisch geprägte Wirtschaft ist nicht der einzige Grund warum dieses Vorhaben abzulehnen ist, die Zerstörung der Natur, enormer Ressourcenverbrauch zum Beispiel beim Bau der Windkraftanlagen, Unsicherheit was die Nutzung des Industriegebietes betrifft, allein schon aus dem Grund, weil Industrie eine sichere Energieversorgung benötigt, diese allerdings mit vorindustriellen Energiequellen nicht abzusichern ist.
Wenn wie angedeutet ein Rechenzentrum entsteht, braucht dieses nicht nur sehr viel Energie und das beständig, sondern auch sehr viel Wasser. Die bundesdeutsche Energiepolitik hat aber jetzt schon dazu geführt, dass die Bundesrepublik im Zusammenhang mit moderner Rechenzentren, ohne fremde Hilfe bei der Energieversorgung, hoffnungslos abgehängt ist. Denn die auf Grund der Energiegewinnung in diesem Land entstehenden Energiedefizite müssen durch die Nachtbarländer ausgeglichen werden, sonst wird es dunkel.
Es gibt gegenwärtig so viele Windkraftanlagen zur Stromerzeugung im Land, dass diese regelmäßig abgeschaltet werden müssen, da der erzeugte Strom nicht verbraucht werden kann. Wenn über Land gefahren wird, ist dieses gut zu erkennen. Im Falle einer Flaute fehlt dann die Energie und muss woanders hergeholt werden, da die Erzeugungsmöglichkeiten aus nicht vorindustriellen Energiequellen in den letzten Jahrzehnten erheblich abgebaut wurden, ist das nicht so einfach möglich.
Und wenn sich Kommunen an den Unternehmen beteiligen, wird es für diese gefährlich, da ist letztendlich die Gefahr groß, dass die Kommune auf den Kosten zur Entsorgung der Anlagen sitzen bleibt. Das für dieses Vorhaben zu gründende Unternehmen kann kurz vor Auslauf der Förderung in den Konkurs gesteuert werden, die Stadt als Anteileigner allein wird übrigbleiben. Keine ungewöhnliche Vorgehensweise in einer Volkswirtschaft, welche Sanktionen und Subventionen zu einem Hauptwerkzeug von Wirtschaftsförderung gemacht hat.
Das Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden, entspricht dem Geist der Zeit und ist nicht unüblich, dass in diesem Zusammenhang die soliden wirtschaftlichen Grundlagen der Stadt, soweit noch vorhanden, der Spekulation geopfert werden sollen, ist nicht nachzuvollziehen, wenn das Interesse der Stadt und ihrer Bürger in den Forderung gestellt werden.
Letztlich handelt es sich um Investitionen, welche auf Grund staatlicher Subventionen überhaupt erst ermöglicht werden, das Industriegebiet und die damit verbundenen Möglichkeiten sind rein spekulativ und somit motivierendes Beiwerk um den Bewohnern die Investitionen in Windkraftanlagen und Solaranlagen schmackhaft zu machen.
Das UNESCO-Welterbe ist wichtig, es bietet gute Möglichkeiten der Vermarktung der Stadt, ihres kulturellen Erbes, aber auch der mit dem Tourismus entstandenen Infrastruktur. Zudem hat die Stadt einiges zu bieten, was heute anderswo so nicht mehr zu finden ist, so zum Beispiel einen weitestgehend durch Windkraftanlagen nicht verbauten Blick in das Umfeld der Stadt. Ein Punkt, neben anderen, welcher von Touristen gern hervorgehoben wird. Ein weiterer ist die Ruhe in der Stadt, das kulturelle Umfeld, die kulturellen Angebote und die Bevölkerungsstruktur welche anzutreffen. Die Stadt ist für viele Menschen, vor allem aus Ballungsgebieten, ein sehr angenehmes Refugium, in welchem sie sich wohlfühlen, weil hier vieles so ist, wie es immer mehr Menschen nur noch aus ihrer Vergangenheit kennen. In diesem Zusammenhang zu fragen, woher die Arbeitskräfte für die neu angesiedelte Industrie kommen sollen, ist eine Notwendigkeit, da nach Entindustrialisierung der Stadt zum Beginn der 1990ziger Jahre viele gut qualifizierte Arbeitskräfte die Stadt verlassen haben. Die Stadt einen großen Teil ihrer Bevölkerung auf Grund der praktizierten Wirtschaftspolitik verloren hat.
Und werden allgemeine Entwicklungen in der Wirtschaft betrachtet, so findet sich die deutsche Wirtschaft gegenwärtig auf einen absteigenden Ast und Unternehmen gehen dorthin wo sie gute Bedingungen zur Ansiedlung vorfinden. Das sind nicht nur ausgewiesene Industriegebiete, mit unsicheren Energiequellen, sondern vor allem eine sichere Energieversorgung, günstige Rohstoffe und vor allem ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte.
Das die Stadt durch diese Investitionen ihre materiellen Probleme lösen kann, ist ebenfalls eine Illusion, wenn die Ursachen der Verschuldung und die beständige Unterfinanzierung von Kommunen hierzulande betrachtet wird. Auf Grund dieser Unterfinanzierung sind Kommunen erpressbar und für diverse Versprechungen empfänglich. Aaber die jüngste Vergangenheit hat gezeigt, was von solchen Versprechungen zu halten ist. Angefangen hat es mit den blühenden Landschaften, aber seit 1990 ist Industrie in Quedlinburg vernichtet, nicht gefördert worden, auch die Privatisierung des Kurzentrums in Bad Suderode, welches die Stadtkasse entlasten sollte, war mit erheblichen wirtschaftlichen Verlusten für die Stadt verbunden, ohne Not wurde das Krematorium verkauft, alles Maßnahmen, welche helfen sollten die finanzielle Situation der Stadt zu verbessern, die Praxis zeigt das keine dieser Maßnahmen erfolgreich gewesen ist. Es gibt Gesetzmäßigkeiten welche die wirtschaftliche Entwicklung bestimmen, diese sollten nicht ignoriert werden. Große deutsche Unternehmen neigen heute eher dazu das Land zu verlassen und dort zu investieren wo es für sie lukrativer ist und vor allem berechenbarer.
Und letztlich ist moderne Industrie nicht ohne sichere Energieversorgung möglich und bei den zu nutzenden Energiequellen handelt es sich ausschließlich um vorindustrielle Energiequellen. Mit vorindustriellen Energiequellen wird der Weg in eine vorindustrielle Gesellschaft geebnet, nichts anderes, aber vorindustriell ist das meiste Erbe unserer Stadt, es ist die Substanz, welche frühere Generationen geschaffen haben und von der die Stadt heute entscheidend partizipiert, dieses sollte einer pseudoindustriellen Entwicklung, welche in eine vorindustrielle Gesellschaft führt, nicht geopfert werden, nur damit ein paar Investoren staatliche Subventionen abgreifen können.
Wir fordern die Stadt Quedlinburg hiermit auf, auf das geplante Bauvorhaben komplett zu verzichten.
Wir
bitten
um Berücksichtigung unserer Stellungnahme und um schriftliche
Bestätigung des Eingangs.
Die Unterlagen wurden in einem "sozialem" Netzwerk geteilt ..., aus ihnen geht hervor, dass das Vorhaben nicht gut für das UNESCO-Welterbe der Stadt ist.




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