Zitat:

Es setzt sich nur so viel Wahrheit durch, als wir durchsetzen; der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein. - Bertold Brecht, „Leben des Galilei“

Zitat:

Bedrohlich ist das Volk für die Herrschenden, wenn es ohne Furcht ist.“ -Tacitus (römischer Historiker)

Zitat:

Die Furcht vor Übervölkerung tritt stets in Perioden auf, in denen der bestehende Sozialzustand im Zerfall begriffen ist. August Bebel

Montag, 7. Februar 2011

Praxis

philosophische Kategorie, die den gesellschaftlichen Prozess der Veränderung, der Umgestaltung der objektiven Realität, der Natur und Gesellschaft durch die Tätigkeit der Menschen widerspiegelt; denn um die materielle Welt zu verändern, „bedarf es der Menschen, welche eine praktische Gewalt aufbieten“. MEW, Bd. 2, S. 129) Der Mensch, wirkt mir allen seinen Mitteln, mit seinen natürlichen Organen und künstlichen Werkzeugen (Maschinen, automatischen Systemen), auf die Dinge und Erscheinungen der Natur ein, bildet sie um und verändert dadurch sich selbst. Die praktische Tätigkeit der Menschen ist zugleich aber immer bewusste, zweckgerichtete Tätigkeit, gegenständlicher Veränderung der objektiven Realität zu bewusst gewollten Zwecken. Folglich ist die Praxis Grundlage und Ziel der Erkenntnis.
In der marxistisch-leninistischen Philosophie wird der Praxisbegriff materialistisch erklärt und nachgewiesen, dass die Praxis ein objektiver Prozess ist, der in seiner konkret-historischen Form durch die objektiven gesellschaftlichen Verhältnisse, vor allem die Produktionsverhältnisse und Produktivkräfte, determiniert wird. „Die Gesetze der Außenwelt … sind die Grundlagen der zweckmäßigen Tätigkeit des Menschen. Der Mensch hat in seiner praktischen Tätigkeit die objektive Welt vor sich, ist von ihr abhängig, lässt durch sie seine Tätigkeit bestimmen.“ Lenin, Bd. 38, S. 177/178) Die Praxis umfasst die gesamte materielle Lebenstätigkeit der Menschheit, die unmittelbar auf die Umgestaltung der objektiven Realität gerichtet ist. Daher entwickelt sie sich in Abhängigkeit von den gesellschaftlichen Verhältnissen in verschiedenen Formen, wie der Produktionstätigkeit, die im Verlauf der ganzen Menschheitsgeschichte die grundlegende Form der Praxis bleibt (Arbeit); der politischen Tätigkeit, die an die Existenz von Klassen und Staaten gebunden ist (Politik); der experimentellen, kulturellen, pädagogischen u. a. gesellschaftlichen Tätigkeit. In der Klassengesellschaft hat die Praxis Klassencharakter und wird von Klasseninteressen geleitet. Der Begriff der Praxis widerspiegelt das Wesentliche der spezifisch menschlichen Existenzweise des sozialen Lebensprozesses; er ist daher für die gesamte marxistisch-leninistische Philosophie und besonders für die Erkenntnistheorie ein fundamentaler Begriff.
Vor allem die Praxis bedingt die Widerspiegelung der Wirklichkeit im Bewusstsein der Menschen; sie ist die wesentlichste Grundlage der Erkenntnis, da sie dem Menschen überhaupt erst den Zugang zur materiellen Welt eröffnet. Die Praxis ist die entscheidende Triebkraft des Erkenntnisprozesses, denn die praktischen Bedürfnisse der Menschen lenken die Erkenntnisse auf bestimmte Objekte und Aufgaben und stimulieren den Fortschritt des Erkennens. Da die Erkenntnis schließlich dazu führt, neue Möglichkeiten der Naturbeherrschung und der Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse zu schließen, ist die Praxis das letzte Ziel aller Erkenntnis.
Weiter dient die Praxis in der Erkenntnis als Kriterium der Wahrheit, und zwar ist sie das höchste Kriterium der Wahrheit, weil sie zum Unterschied von anderen möglichen Kriterien die Erkenntnis mit der objektiven Realität so verhindert, dass die Wahrheit oder Falschheit einer Aussage feststellbar wird.

 Angelehnt an: Kleines politisches Wörterbuch, sechste Auflage, Dietz Verlag Berlin 1986, Seite 753/54.  

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