
Gedanken zu einer
Pressemitteilung
der „menschenrechtspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE,
Annette Groth“ zum Stopp des Freihandelsabkommen der EU mit den
USA.
Ein interessanter Beitrag, aber wie für solche
Forderungen von Seiten der Partei die Linke üblich, kommt sie
oberflächlich und illusionär daher. Die Reform steht im
Vordergrund, eventuelle fraktionelle Kapitalinteressen werden
vertreten, das Wesen des Systems des Kapitals hingegen keiner Kritik
gewürdigt. Dabei werden Menschenrechte vom System des Kapitals
ohnehin mit Füßen getreten, wenn sie verkündet werden dient es als
Mittel zum Zweck, sie stehen ansonsten wenig im Zentrum
kapitalistischen Strebens und werden prinzipiell, aber auch
gesetzmäßig dem manifestierten Recht auf Kapitalverwertung
geopfert.
Dieser Aufruf stärkt
zumindest die Illusion, dass Kapitalismus, selbst in seiner
imperialen Form, reformierbar wäre. Damit die Kritik verhalten
daherkommt und grundsätzliche Kritik am System des Kapitals umgangen
werden kann, wird nicht der Mensch an sich in den Mittelpunkt
gestellt, sondern dem Marktfetischismus folgend, der Mensch als
Konsument von Waren. So wird auch nicht das Freihandelsabkommen an
sich kritisiert, als ein Instrument effizienterer Kapitalverwertung,
sondern die Waren (inklusive der Ware Arbeitskraft), welche mittels
diesen gehandelt werden könnten und auf dessen Handel dieses
Abkommen Einfluss hätte.
Das solche Verhandlungen
allerdings hinter verschlossenen Türen geführt werden, ist typisch,
wenn es darum geht Kapitalinteressen umzusetzen, sind diese doch
gegen gesellschaftliche Interessen gerichtet. Das ist nicht nur bei
solchen, zwischenstaatlichen Abkommen so, sondern auch da, wo es
gegen das Interesse von Menschen geht, wie zum Beispiel im Falle von
Privatisierungen öffentlichen Eigentums.
Letztlich dient dieses
Freihandelsabkommen die Kapitalverwertungsbedingungen zu optimieren
und das ist, wie indirekt unterstellt, keine Einbahnstraße. Nicht
nur das das Monopolkapital ohnehin keine Heimat hat und international
agiert, ist das europäische Kapital durchaus in der Lage seine
Interessen zu wahren. Hier geht es um mehr, wie mit den Strukturen
innerhalb der EU, ein mächtiger Wirtschaftsraum geschaffen wurde,
gilt es diesen nun zu erweitern. Hier geht es um Zentren der Macht,
hier geht es um die Konzentration von Macht, hier geht es darum,
einen Wirtschaftsraum zu schaffen, welcher in der Lage ist den
Interessen des international tätigen Monopolkapitals erfolgreich zu
dienen. Hier geht es nicht vordergründig um genetisch veränderte
Lebensmittel, diese in die EU zu bekommen, bedarf es eines solchen
Abkommens nicht, hier geht es um die Formierung ökonomischer
Potenziale im sich verschärfenden Kampf zwischen den Machtzentren
dieser Welt. In diesem Kampf geht es auch darum dem mächtigstem
militärischen Bündnis, der NATO, zur möglichen Ergänzung der
Politik mit militärischen Mitteln, die entsprechende ökonomische Basis zu geben.
Die Forderung ist
berechtigt, allein sollte sie entsprechend begründet werden, nicht
nur halbherzig mit der Existenz von Gen-manipulierten Kartoffeln! So
wird sie nicht einmal auf halbem Wege stehen bleiben und ihrem
populistischem Wesen entsprechend scheitern! Auch gilt es zu
erkennen, dass die angestrebten Synergien für das Monopolkapital
nicht neu sind, sondern nur die Fortsetzung bisheriger Politik in der
EU, von der europäischen Hegemonialmacht intensiv befördert und im
eigenem Land konsequent vorangetrieben. Mit dem Handelsabkommen wird
eine neue Qualität dieses Vorgehens erreicht!
„Das Kapital will
uferlose Freiheit“ ist
hier zu lesen, was in der Presseerklärung nur vage benannt wird, wird
in dem Beitrag klar benannt und ausführlich dargelegt.
Anmerkung:
In der Presseerklärung
ist zu lesen:
„das Freihandelsabkommen würde die bäuerliche
Landwirtschaft existenziell gefährden und weltweit agierenden
Agrarkonzernen wie Monsanto und internationalen Investmentfonds, die
für spekulative Zwecke großflächig Land aufkaufen, Tür und Tor
öffnen.“ Nur wie sieht es den aus, in der EU? In die
Landwirtschaft fließen nicht unerhebliche Subventionen und trotzdem,
ja sogar durch diese beschleunigt, setzt sich die Konzentration und
Zentralisation des Kapitals in der Landwirtschaft fort. Die
sogenannte „bäuerliche“ Landwirtschaft dient als Alibi, die
industrielle schwingt auch in Europa lange schon das Zepter. Und was
das Spekulieren mit landwirtschaftlichen Flächen anbelangt, so ist
dieses schon Tatsache und gerade auch im Osten der Bundesrepublik
gibt es genügend Beispiele dafür. Landwirtschaftliche Betriebe
haben in Bieterverfahren keine Chancen wenn nicht regulierend
eingegriffen wird. Wobei viele Flächen von der sogenannten
öffentlichen Hand veräußert werden und das unter der Maßgabe
maximale Preise zu erzielen. Kurz geschrieben, um
„die
bäuerliche Landwirtschaft existenziell“ zu gefährden, braucht
es eines solchen Abkommens genauso wenig, wie den Spekulanten Tür
und Tor schon offen stehen. Selbes trifft übrigens auch für die
Bedingungen des Handels mit der Ware Arbeitskraft zu, welcher in der
Presseerklärung als
„die Rechte von ArbeitnehmerInnen“
daherkommt, sie
„würden noch stärker als bisher gefährdet.
Die USA erkennen eine Reihe von ILO-Normen nicht an und haben eine
höchst restriktive Gesetzgebung bezüglich gewerkschaftlicher
Organisation. Damit besteht die Gefahr, dass durch das TTIP
gewerkschaftliche Rechte und ArbeitnehmerInnenschutzrechte abgebaut
werden.“ ist zu lesen. Als ob es da in der EU nicht schon
längst eine entsprechende Kontinuität geben würde, welche
besonders intensiv von der Hegemonialmacht in Europa betrieben wird.
Auch hier handelt es sich letztlich um eine Verschärfung bestehender Probleme.
Wie schon geschrieben,
dem Handelsabkommen muss entgegen getreten, dabei sollte aber nicht
die Illusion gepflegt werden, dass es die damit verbundenen
Entwicklungen in Europa nicht schon gibt, sie würden durch dieses
Freihandelsabkommen nur erheblich beschleunigt und verschärft.
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