Zitat:

Es setzt sich nur so viel Wahrheit durch, als wir durchsetzen; der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein. - Bertold Brecht, „Leben des Galilei“

Zitat:

Bedrohlich ist das Volk für die Herrschenden, wenn es ohne Furcht ist.“ -Tacitus (römischer Historiker)

Zitat:

Die Furcht vor Übervölkerung tritt stets in Perioden auf, in denen der bestehende Sozialzustand im Zerfall begriffen ist. August Bebel

Montag, 7. Februar 2011

Revisionismus

Strömung des Opportunismus in der Arbeiterbewegung, deren Besonderheit darin  besteht, dass sie ein ganzes System der Revision des Marxismus (später des Marxismus-Leninismus) zur theoretischen Begründung der opportunistischen Politik entwickelt sowie die Errungenschaften des Sozialismus entstellt und negiert. Der Revisionismus fordert die Korrektur der theoretischen und politischen Grundlagen des Marxismus-Leninismus mit dem Ziel, den revolutionären Inhalt der wissenschaftlichen Weltanschauung der Arbeiterklasse zu beseitigen und durch bürgerliche Theorien zu ersetzen. Der Revisionismus ist eine internationale Erscheinung, die sich beim Übergang des Kapitalismus der freien Konkurrenz zum Monopolkapitalismus in der Arbeiterbewegung herausbildet. Er ist die opportunistische Reaktion bestimmter kleinbürgerlich beeinflusster Schichten in der Arbeiterbewegung, insbesondere der vom Imperialismus korrumpierten, privilegierten Teile der Arbeiterklasse – der Arbeiteraristokratie und -bürokratie -, auf die Verschärfung des Klassenkampfes und die neuen Bedingungen des Kampfes um den Sozialismus in der Epoche des Imperialismus.
Seinem Klassencharakter nach ist er das Produkt des Einflusses der bürgerlichen Ideologie auf die Arbeiterklasse und die Arbeiterbewegung. Der Siegeszug des Marxismus in der internationalen Arbeiterbewegung zwang seine Gegner in der Arbeiterbewegung, sich marxistisch zu maskieren, um die Ideen des Marxismus zu bekämpfen. Zum „Stammvater“ des Revisionismus wurde der deutsche Sozialdemokrat E. Bernstein, der alle grundlegenden Prinzipien und Thesen des Marxismus unter dem Vorwand seiner Ergänzung und Weiterentwicklung revidieren.
Die marxistische Weltanschauung wurde durch den Neukantianismus und den Empiriokritizismus, die revolutionäre Dialektik durch einen flachen Evolutionismus ersetzt. Der Revisionismus leugnet die von K. Marx und F. Engels nachgewiesenen Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Entwicklung. Die Entstehung von Monopolen schwäche den Grundwiederspruch zwischen Kapital und Arbeit ab und führe zu einer Milderung der Klassengegensätze. An die Stelle der revolutionären Beseitigung der kapitalistischen Ausbeuterordnung müsse die evolutionäre Durchdringung des Kapitalismus durch den Sozialismus, das friedliche Hineinwachsen in den Sozialismus, treten.
Der Revisionismus verneint die Lehre vom Klassenkampf und von der Diktatur des Proletariats: Der bürgerliche Staat sei kein Organ der Klassenherrschaft der Bourgeoisie, sondern klassenindifferent; der Ausbau der bürgerlichen Demokratie wurde zur vorrangigen Aufgabe der Arbeiterbewegung erklärt. Das Wesentliche des Revisionismus ist also, dass er den Marxismus durch bürgerliche Anschauungen verwässert und ihn teils völlig durch sie ersetzt und damit der revolutionären Arbeiterbewegung das theoretischen Fundament ihres Kampfes für die Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaft und den Aufbau des Sozialismus nimmt. Die Revisionistischen Thesen wurden und werden jedoch durch die Geschichte selbst widerlegt: durch die kapitalistischen Wirtschaftskrisen, durch die allgemeine Krise des Kapitalismus, durch die demokratischen und nationalen Revolutionen, durch die Große Sozialistische Oktoberrevolution und das Entstehen des sozialistischen Weltsystems nach dem zweiten Weltkrieg. Der Revisionismus war daher gezwungen, sich der veränderten Lage anzupassen. Nach dem Sieg der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution richtete er seine Angriffe verstärkt gegen die marxistisch-leninistische Revolutionstheorie und Staatslehre. Der sozialistischen Demokratie stellt er die Forderung nach einer fiktiven „reinen“ Demokratie gegenüber. Der sozialistischen Planwirtschaft begegnete er mit der Theorie von der „Wirtschaftsdemokratie“. Er schloss sich dem Antisowjetismus und Antikommunismus zunächst in der Weise an, dass er die Lehren W. I. Lenins, den Marxismus entgegenstellte und verunglimpfte und versuchte, den Leninismus und den Sozialismus als „rein russische Angelegenheit“ abzutun. Als sich nach dem zweiten Weltkrieg das sozialistische Weltsystem herausbildete und der Kapitalismus in die dritte Etappe seiner allgemeinen Krise eintrat, war auch über diese Version des Revanchismus das Urteil gesprochen.
Dem zunehmenden Einfluss der sozialistischen Länder und der kommunistischen Parteien trat der Revisionismus mit einer politischen Taktik der Differenzierung und Aufweichung entgegen. Er nahm immer mehr offene konterrevolutionäre Positionen gegenüber dem Sozialismus ein. Eine Hauptthese des Revisionismus war die von der gegenseitigen Annäherung (Konvergenz) von Kapitalismus und Sozialismus. Mit Hilfe der Konvergenztheorie versuchte der Revisionismus, die Einheit der internationalen kommunistischen Bewegung zu untergraben, und wendet sich gegen die historischen Notwendigkeit der proletarischen Revolution und der Diktatur des Proletariats beim Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus, gegen die führende Rolle der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei im Kampf gegen den Imperialismus und Kolonialismus, gegen die Leninschen Normen des Parteiaufbaus, vor allem gegen den demokratischen Zentralismus, wie auch gegen den proletarischen Internationalismus und öffnete damit der Konterrevolution Tür und Tor. Dieser Politik entsprechen solche Thesen im Arsenal des „modernen“ Revisionismus wie die von der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution als einem nationale begrenzten Ergebnis in einem rückständigen Land, das keine Allgemeingültigkeit besäße; vom Vorhandensein objektiver unüberwindlicher Widersprüche zwischen den sozialistischen Staaten als beständig und gesetzmäßig wirkende Faktoren; von einem objektiven Widerspruch zwischen der sich entwickelnden Basis und einem sich angeblich nicht entwickelnden Überbau als dem Grundwiederspruch der sozialistischen Gesellschaft. Durch eine „Erneuerung“ soll ein „echter“, „demokratischer“, „humaner Sozialismus“ entstehen, der dem wissenschaftlichen Kommunismus von Marx, Engels und Lenin entgegengesetzt wird. Dazu wird – ausgehend von der illusionären Vorstellung von der Möglichkeit einer Demokratie „an sich“ – nach dem Muster der bürgerlichen Demokratie und unter Ignorierung des Inhalts der sozialistischen Demokratie eine qualitative „Erweiterung“ bürgerlich-demokratischer Rechte und Freiheiten gefordert und einem Pluralismus in Partei, Staat, Wirtschaft und Ideologie das Wort geredet, der unter sozialistischen Verhältnissen einzig und allein dazu dienen soll, die Macht der Arbeiterklasse und die führenden Rolle ihrer Partei zugunsten konterrevolutionärer Interessen und Ideologien zurückzudrängen. Gelingt es ihm, in den sozialistischen Ländern Einfluss zu gewinnen, untergräbt er die sozialistische Staatsmacht, das gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln und die führende Rolle der marxistisch-leninistischen Partei. Hier wird sein offen konterrevolutionärer Charakter besonders deutlich. Der „moderne“ Revisionismus verfälscht das Verhältnis zwischen Arbeiterklasse und Intelligenz unter den Bedingungen der wissenschaftlich-technischen Revolution. An Stelle des Bündnisses von Arbeiterklasse und Intelligenz solle ein neuer historischer Block treten, in dem die Intelligenz und andere „Eliten“ die führende Rolle haben sollen.
Diese Definition ist entnommen aus: „KLEINES POLITISCHES WÖRTERBUCH“ Dietz Verlag Berlin 1986, sechste Auflage.
Eine Anmerkung: Nun habe ich den Text abgeschrieben und die Zeitform an der einen oder anderen Stelle geändert. Dabei habe ich auch darüber nachgedacht, den Text komplett umzuschreiben und der Gegenwart anzupassen. Davon habe ich erst einmal Abstand genommen, da dieser Text an seiner Gültigkeit nichts verloren hat und in der praktischen Auseinandersetzung zu beobachten ist, dass gerade, unter dem Gesichtspunkt der sich gegenwärtig permanent verschärfenden Krisen im Kapitalismus, der Revisionismus neu wappnet und in den verschiedensten Formen daherkommt.
Nach dem die sozialistischen Staatengemeinschaft aufgehört hatte zu existieren, war dieses ein Sieg für das kapitalistische Gesellschaftssystem, welcher ohne der kräftigen Unterstützung des Revisionismus so nicht möglich gewesen wäre. Dabei wurden die Wirkung revisionistischer Ideen sicher durch die Entwicklungen in den sozialistischen Ländern selbst befördert. Letzteres wiederum ist ein Thema, welches durchaus der Auseinandersetzung bedarf, gerade auch um die entsprechenden Schlüsse für zukünftige, gesellschaftlich Entwicklungen ziehen zu können. Gegenwärtig ist zu beobachten, dass gerade die Geschichtsaufarbeitung vom revanchistischen Standpunkt aus forciert betrieben wird, dieses vor allen auch in Form des Kampfes um die Deutunghoheit geschichtlicher Ereignisse und Entwicklungen. Dabei ist zu beobachten, dass so etwas wie eine kommunistische Bewegung, nicht nur in der Bundesrepublik, wiedereinmal in den Kinderschuhen steckt.
Aus historischer Erfahrung heraus, kann aber abgeleitet werden, dass gerade sich verschärfenden Krisen, besonders auch die Zuspitzung des Grundwiderspruchs des Kapitalismus, bestimmte Entwicklungen beschleunigen. Dabei handelt es sich sicher nicht um automatische und zwangsläufige Entwicklungen, selbst wenn diese gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten geschuldet sind, sondern um sich in der Auseinandersetzung formierende Alternativen.
Schaue ich nun in die Mailingliste der Freidenker, kann gerade dieses beobachtet werden. Da geht es nicht nur um die verschiedensten Ideen gesellschaftlicher Erneuerungen, sondern auch um die Wertung historischer Entwicklungen. Dabei scheiden sich gerade die Geister an der Einschätzung des Sozialismus in der DDR. In diesem Zusammenhang hatte ich an anderer Stelle einmal darauf hingewiesen, dass die Stellung zur DDR, eigentlich die Gretchenfrage der sich links nennenden ist.

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