Zitat:

Es setzt sich nur so viel Wahrheit durch, als wir durchsetzen; der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein. - Bertold Brecht, „Leben des Galilei“

Zitat:

Bedrohlich ist das Volk für die Herrschenden, wenn es ohne Furcht ist.“ -Tacitus (römischer Historiker)

Zitat:

Die Furcht vor Übervölkerung tritt stets in Perioden auf, in denen der bestehende Sozialzustand im Zerfall begriffen ist. August Bebel

Montag, 7. Februar 2011

Revolution Teil I.

grundlegende qualitative Umgestaltung der Gesellschaft als Ganzes oder einzelner, wesentlicher gesellschaftlicher Bereiche (z.B. die wissenschaftlich-technische Revolution, die Revolution auf dem Gebiet der Ideologie und Kultur usw.), eine der wichtigsten Phasen und Formen der gesellschaftlichen Entwicklung. Unter einer sozialen Revolution versteht man eine qualitative Umwälzung in der Gesellschaft, in deren Ergebnis eine historisch überlebte ökonomische Gesellschaftsformation durch eine andere, progressive abgelöst wird. Soziale Revolutionen sind in der antagonistischen Klassengesellschaft eine gesetzmäßige Erscheinung. Ihre eigentliche, tiefere Ursache besteht im Konflikt zwischen entwickelten Produktivkräften und den überlebten Produktionsverhältnissen. Dieser Konflikt ist die soziale Grundlage des Klassenkampfes zwischen den aufstrebenden und den reaktionären Klassen, welche die überlebten Produktionsverhältnisse und die darauf beruhende soziale und politische Ordnung mit allen Mitteln, insbesondere der Staatsgewalt, verteidigen. Die soziale Revolution ist der Höhepunkt des Klassenkampfes. Das politische Hauptmerkmal der sozialen Revolution ist der Übergang der Staatsmacht aus den Händen der herrschenden reaktionären Klasse in die Hände der revolutionären Klasse. Deshalb ist jede soziale Revolution zugleich eine politische Revolution.
Mit der Eroberung der Staatsmacht kann die revolutionäre Klasse ihre Interessen auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens durchsetzen. In der proletarischen Revolution können die neuen Produktionsverhältnisse überhaupt erst nach der politischen Entmachtung der Bourgeoisie geschaffen werden. Wenn Klassen einander ablösten, so änderten sie stets das Verhältnis zum Eigentum. Darin besteht das ökonomische Hauptmerkmal sozialer Revolutionen. Soziale Revolutionen sind die „Lokomotiven der Geschichte“ (Marx, MEW, 7, S. 85); in revolutionären Epochen erfolgt eine gewaltige Beschleunigung der gesellschaftlichen Entwicklung; in den Revolutionen tritt die geschichtsbildende Kraft der Volksmassen in besonders hohem Maße hervor. Nicht jeder Übergang der Macht einer Klasse in die Hände einer anderen Klasse ist eine Revolution. Wenn es einer überlebten, bereits entmachteten Klasse gelingt, ihre Herrschaft zeitweilig wiederherzustellen, oder wen sie diesen Versuch unternimmt, so spricht man von einer Konterrevolution. Der Begriff der Revolution ist auch nicht mit dem Begriff „bewaffneter Aufstand“ oder „Bürgerkrieg“ identisch. Obwohl die Mehrzahl der Revolutionen gewöhnlich mit bewaffneten Zusammenstößen der Klassen verbunden ist, gab es in der Geschichte dennoch zahlreiche bewaffnete Aufstände und Bürgerkriege, die nicht den Charakter einer Revolution hatten, weil die nicht darauf zielten, eine neue sozialökonomische Ordnung zu errichten. Andererseits sind Revolutionen auch ohne bewaffneten Aufstand, ohne Bürgerkrieg möglich. Die inneren Widersprüche einer Gesellschaft sind die Hauptursachen einer Revolution. Das bedeutet aber nicht, dass äußere Widersprüche unbedeutend wären. Äußere Widersprüche wirken auf diese oder jene Weise auf die inneren ein, können sie verschärfen, eine revolutionäre Entwicklung beschleunigen oder auch verlangsamen. Es gibt Revolutionen, die sowohl die Lösung der äußeren als auch der inneren Widersprüche zum Ziel haben (nationale Befreiungsrevolutionen). Generell gewinnen internationale Faktoren für das Heranreifen und die Durchführung sozialer Revolutionen gegenwärtig an Bedeutung. Der Charakter einer Revolution wird durch ihre historische Aufgabe und ihre Triebkräfte, durch die Klassen, die sie tragen, und deren politischen Reifegrad bestimmt. Träger der Revolution sind in der Regel die Volksmassen, an deren Spitze revolutionäre Klassen stehen. Eine aktive revolutionäre Minderheit vermag allerdings als Motor der Revolution zu wirken. Beispielsweise sind nicht alle bürgerlichen Revolutionen wirklich Volksrevolutionen. Proletarische Revolutionen sind in jedem Falle Volksrevolutionen; ihr Sieg beruht auf der Unterstützung durch die Mehrheit der Werktätigen.
Die bürgerliche Revolution hat in der Regel die Aufgabe, den rückständigen feudalistischen Überbau zu beseitigen, um der kapitalistischen Basis, die sich im Schoß des Feudalismus entwickelt hatte, freie Entfaltungsmöglichkeiten zu schaffen. Mit der Übernahme der Macht durch die Bourgeoisie endeten diese Revolutionen gewöhnlich. Jedoch unterscheiden sich die Revolutionen im 17., 18. und 19. Jahrhundert wesentlich von den bürgerlich-demokratischen Revolutionen in der Epoche des Imperialismus und in der gegenwärtigen Epoche. Der Kapitalismus ist in das Stadium seines Niedergangs und Verfalls eingetreten. Die Monopolbourgeoisie hat ihre Fähigkeit verloren, Führer des gesellschaftlichen Fortschritts zu sein, sie hat sich in eine reaktionäre Klasse verwandelt.

Revisionismus

Strömung des Opportunismus in der Arbeiterbewegung, deren Besonderheit darin  besteht, dass sie ein ganzes System der Revision des Marxismus (später des Marxismus-Leninismus) zur theoretischen Begründung der opportunistischen Politik entwickelt sowie die Errungenschaften des Sozialismus entstellt und negiert. Der Revisionismus fordert die Korrektur der theoretischen und politischen Grundlagen des Marxismus-Leninismus mit dem Ziel, den revolutionären Inhalt der wissenschaftlichen Weltanschauung der Arbeiterklasse zu beseitigen und durch bürgerliche Theorien zu ersetzen. Der Revisionismus ist eine internationale Erscheinung, die sich beim Übergang des Kapitalismus der freien Konkurrenz zum Monopolkapitalismus in der Arbeiterbewegung herausbildet. Er ist die opportunistische Reaktion bestimmter kleinbürgerlich beeinflusster Schichten in der Arbeiterbewegung, insbesondere der vom Imperialismus korrumpierten, privilegierten Teile der Arbeiterklasse – der Arbeiteraristokratie und -bürokratie -, auf die Verschärfung des Klassenkampfes und die neuen Bedingungen des Kampfes um den Sozialismus in der Epoche des Imperialismus.
Seinem Klassencharakter nach ist er das Produkt des Einflusses der bürgerlichen Ideologie auf die Arbeiterklasse und die Arbeiterbewegung. Der Siegeszug des Marxismus in der internationalen Arbeiterbewegung zwang seine Gegner in der Arbeiterbewegung, sich marxistisch zu maskieren, um die Ideen des Marxismus zu bekämpfen. Zum „Stammvater“ des Revisionismus wurde der deutsche Sozialdemokrat E. Bernstein, der alle grundlegenden Prinzipien und Thesen des Marxismus unter dem Vorwand seiner Ergänzung und Weiterentwicklung revidieren.
Die marxistische Weltanschauung wurde durch den Neukantianismus und den Empiriokritizismus, die revolutionäre Dialektik durch einen flachen Evolutionismus ersetzt. Der Revisionismus leugnet die von K. Marx und F. Engels nachgewiesenen Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Entwicklung. Die Entstehung von Monopolen schwäche den Grundwiederspruch zwischen Kapital und Arbeit ab und führe zu einer Milderung der Klassengegensätze. An die Stelle der revolutionären Beseitigung der kapitalistischen Ausbeuterordnung müsse die evolutionäre Durchdringung des Kapitalismus durch den Sozialismus, das friedliche Hineinwachsen in den Sozialismus, treten.
Der Revisionismus verneint die Lehre vom Klassenkampf und von der Diktatur des Proletariats: Der bürgerliche Staat sei kein Organ der Klassenherrschaft der Bourgeoisie, sondern klassenindifferent; der Ausbau der bürgerlichen Demokratie wurde zur vorrangigen Aufgabe der Arbeiterbewegung erklärt. Das Wesentliche des Revisionismus ist also, dass er den Marxismus durch bürgerliche Anschauungen verwässert und ihn teils völlig durch sie ersetzt und damit der revolutionären Arbeiterbewegung das theoretischen Fundament ihres Kampfes für die Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaft und den Aufbau des Sozialismus nimmt. Die Revisionistischen Thesen wurden und werden jedoch durch die Geschichte selbst widerlegt: durch die kapitalistischen Wirtschaftskrisen, durch die allgemeine Krise des Kapitalismus, durch die demokratischen und nationalen Revolutionen, durch die Große Sozialistische Oktoberrevolution und das Entstehen des sozialistischen Weltsystems nach dem zweiten Weltkrieg. Der Revisionismus war daher gezwungen, sich der veränderten Lage anzupassen. Nach dem Sieg der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution richtete er seine Angriffe verstärkt gegen die marxistisch-leninistische Revolutionstheorie und Staatslehre. Der sozialistischen Demokratie stellt er die Forderung nach einer fiktiven „reinen“ Demokratie gegenüber. Der sozialistischen Planwirtschaft begegnete er mit der Theorie von der „Wirtschaftsdemokratie“. Er schloss sich dem Antisowjetismus und Antikommunismus zunächst in der Weise an, dass er die Lehren W. I. Lenins, den Marxismus entgegenstellte und verunglimpfte und versuchte, den Leninismus und den Sozialismus als „rein russische Angelegenheit“ abzutun. Als sich nach dem zweiten Weltkrieg das sozialistische Weltsystem herausbildete und der Kapitalismus in die dritte Etappe seiner allgemeinen Krise eintrat, war auch über diese Version des Revanchismus das Urteil gesprochen.
Dem zunehmenden Einfluss der sozialistischen Länder und der kommunistischen Parteien trat der Revisionismus mit einer politischen Taktik der Differenzierung und Aufweichung entgegen. Er nahm immer mehr offene konterrevolutionäre Positionen gegenüber dem Sozialismus ein. Eine Hauptthese des Revisionismus war die von der gegenseitigen Annäherung (Konvergenz) von Kapitalismus und Sozialismus. Mit Hilfe der Konvergenztheorie versuchte der Revisionismus, die Einheit der internationalen kommunistischen Bewegung zu untergraben, und wendet sich gegen die historischen Notwendigkeit der proletarischen Revolution und der Diktatur des Proletariats beim Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus, gegen die führende Rolle der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei im Kampf gegen den Imperialismus und Kolonialismus, gegen die Leninschen Normen des Parteiaufbaus, vor allem gegen den demokratischen Zentralismus, wie auch gegen den proletarischen Internationalismus und öffnete damit der Konterrevolution Tür und Tor. Dieser Politik entsprechen solche Thesen im Arsenal des „modernen“ Revisionismus wie die von der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution als einem nationale begrenzten Ergebnis in einem rückständigen Land, das keine Allgemeingültigkeit besäße; vom Vorhandensein objektiver unüberwindlicher Widersprüche zwischen den sozialistischen Staaten als beständig und gesetzmäßig wirkende Faktoren; von einem objektiven Widerspruch zwischen der sich entwickelnden Basis und einem sich angeblich nicht entwickelnden Überbau als dem Grundwiederspruch der sozialistischen Gesellschaft. Durch eine „Erneuerung“ soll ein „echter“, „demokratischer“, „humaner Sozialismus“ entstehen, der dem wissenschaftlichen Kommunismus von Marx, Engels und Lenin entgegengesetzt wird. Dazu wird – ausgehend von der illusionären Vorstellung von der Möglichkeit einer Demokratie „an sich“ – nach dem Muster der bürgerlichen Demokratie und unter Ignorierung des Inhalts der sozialistischen Demokratie eine qualitative „Erweiterung“ bürgerlich-demokratischer Rechte und Freiheiten gefordert und einem Pluralismus in Partei, Staat, Wirtschaft und Ideologie das Wort geredet, der unter sozialistischen Verhältnissen einzig und allein dazu dienen soll, die Macht der Arbeiterklasse und die führenden Rolle ihrer Partei zugunsten konterrevolutionärer Interessen und Ideologien zurückzudrängen. Gelingt es ihm, in den sozialistischen Ländern Einfluss zu gewinnen, untergräbt er die sozialistische Staatsmacht, das gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln und die führende Rolle der marxistisch-leninistischen Partei. Hier wird sein offen konterrevolutionärer Charakter besonders deutlich. Der „moderne“ Revisionismus verfälscht das Verhältnis zwischen Arbeiterklasse und Intelligenz unter den Bedingungen der wissenschaftlich-technischen Revolution. An Stelle des Bündnisses von Arbeiterklasse und Intelligenz solle ein neuer historischer Block treten, in dem die Intelligenz und andere „Eliten“ die führende Rolle haben sollen.
Diese Definition ist entnommen aus: „KLEINES POLITISCHES WÖRTERBUCH“ Dietz Verlag Berlin 1986, sechste Auflage.
Eine Anmerkung: Nun habe ich den Text abgeschrieben und die Zeitform an der einen oder anderen Stelle geändert. Dabei habe ich auch darüber nachgedacht, den Text komplett umzuschreiben und der Gegenwart anzupassen. Davon habe ich erst einmal Abstand genommen, da dieser Text an seiner Gültigkeit nichts verloren hat und in der praktischen Auseinandersetzung zu beobachten ist, dass gerade, unter dem Gesichtspunkt der sich gegenwärtig permanent verschärfenden Krisen im Kapitalismus, der Revisionismus neu wappnet und in den verschiedensten Formen daherkommt.
Nach dem die sozialistischen Staatengemeinschaft aufgehört hatte zu existieren, war dieses ein Sieg für das kapitalistische Gesellschaftssystem, welcher ohne der kräftigen Unterstützung des Revisionismus so nicht möglich gewesen wäre. Dabei wurden die Wirkung revisionistischer Ideen sicher durch die Entwicklungen in den sozialistischen Ländern selbst befördert. Letzteres wiederum ist ein Thema, welches durchaus der Auseinandersetzung bedarf, gerade auch um die entsprechenden Schlüsse für zukünftige, gesellschaftlich Entwicklungen ziehen zu können. Gegenwärtig ist zu beobachten, dass gerade die Geschichtsaufarbeitung vom revanchistischen Standpunkt aus forciert betrieben wird, dieses vor allen auch in Form des Kampfes um die Deutunghoheit geschichtlicher Ereignisse und Entwicklungen. Dabei ist zu beobachten, dass so etwas wie eine kommunistische Bewegung, nicht nur in der Bundesrepublik, wiedereinmal in den Kinderschuhen steckt.
Aus historischer Erfahrung heraus, kann aber abgeleitet werden, dass gerade sich verschärfenden Krisen, besonders auch die Zuspitzung des Grundwiderspruchs des Kapitalismus, bestimmte Entwicklungen beschleunigen. Dabei handelt es sich sicher nicht um automatische und zwangsläufige Entwicklungen, selbst wenn diese gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten geschuldet sind, sondern um sich in der Auseinandersetzung formierende Alternativen.
Schaue ich nun in die Mailingliste der Freidenker, kann gerade dieses beobachtet werden. Da geht es nicht nur um die verschiedensten Ideen gesellschaftlicher Erneuerungen, sondern auch um die Wertung historischer Entwicklungen. Dabei scheiden sich gerade die Geister an der Einschätzung des Sozialismus in der DDR. In diesem Zusammenhang hatte ich an anderer Stelle einmal darauf hingewiesen, dass die Stellung zur DDR, eigentlich die Gretchenfrage der sich links nennenden ist.
 

 

Reform

Maßnahme zur evolutionären Veränderung gesellschaftlicher Verhältnisse, Lebensbereiche und Einrichtungen, durch die deren Qualität, Klasseninhalt und Klassenfunktion nicht grundsätzlich geändert wird. Reform in der kapitalistischen Gesellschaft können die Existenzbedingungen und die Rechte der Werktätigen in gewissen Grenzen verbessern, aber sie führen nicht zur Veränderung der sozialen Qualität des Kapitalismus, d. h. zur Beseitigung der Ausbeutung und Klassenunterdrückung. Dies kann nur durch die sozialistische Revolution erreicht werden. Die Beschränkung des Kampfes der Arbeiterklasse auf Reform ist Reformismus und bedeutet den Verzicht auf die Verwirklichung der historischen Mission der Arbeiterklasse, die Ausbeutung und Klassenherrschaft zu überwinden und den Sozialismus und Kommunismus zu errichten.
Die marxistisch-leninistische Partei führt deshalb einen entscheidenden Kampf gegen den Reformismus. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie den Kampf um Reformen grundsätzlich ablehnt. Sie betrachtet Reform als nützlich und kämpft um Reformen, wenn diese die Existenz- und Kampfbedingungen der Arbeiterklasse verbessern und zugleich dazu beitragen, das revolutionäre Klassenbewusstsein zu entwickeln und die werktätigen Massen zum revolutionären Kampf zu mobilisieren. Reformen können der Festigung und dem weiteren Ausbau von Errungenschaften dienen, die in einer Revolution erkämpft worden sind. So war z. B. die Bodenreform auf dem Gebiet der DDR Bestandteil der antifaschistisch-demokratischen Umwälzung.
Aus: Kleines politisches Wörterbuch, sechste Auflage, Dietz Verlag Berlin 1986, Seite 805.

Religion

Form des gesellschaftlichen Bewusstseins mit Weltanschauungscharakter. Gesamtheit von Anschauungen, Emotionen und Kulthandlungen, deren Wesen in einer phantastisch verzerrten, illusionären Widerspiegelung der Natur und der Gesellschaft im Bewusstsein der Menschen besteht. Dieses Wesensmerkmal ist allen Religionen, von den frühesten in der Urgesellschaft (Magie, Zauber, Totemismus) über die polytheistischen Stammes- und Volks-Religionen bis zu den entwickelten Formen des Monotheismus (Christentum, Islam, Buddhismus), gemeinsam.Da die religiösen Anschauungen den Ursprung und das Wesen der Welt letztlich in einer übernatürlichen, geistigen Macht sehen, sind sie ihrem Inhalt nach eng verwandt mit dem objektiven Idealismus. Die Entstehung, Veränderung und auch das allmähliche Absterben der Religion gehen notwendig aus dem materiellen Lebensprozess der Menschen hervor.
In ihren frühesten Formen widerspiegelte die Religion zunächst die Abhängigkeit der Menschen von den elementaren Naturgewalten, die sie infolge der geringen Entwicklung der Produktivkräfte noch nicht beherrschen konnten. Die nicht erkannten, daher noch geheimnisvollen Naturkräfte widerspiegelten sich in den religiösen Anschauungen als übernatürliche Mächte, und die Menschen suchten ihre Ohnmacht gegenüber den natürlichen Mächten zu überwinden, indem sie die Geister (später Götter) durch Opfer, Beschwörung, Gebete usw. günstig zu stimmen suchten und um Hilfe baten. Nach dem Aufkommen der Klassengesellschaft entstand für die Volksmassen eine neue Form der Abhängigkeit und Ohnmacht, die in der weiteren Entwicklung zur wichtigsten Grundlage der Religion wurde: „Aber bald treten neben den Naturmächten auch gesellschaftliche Mächte in Wirksamkeit, Mächte, die den Menschen ebenso fremd und im Anfang ebenso unerklärlich gegenüberstehen, sie mit derselben scheinbaren Naturnotwendigkeit beherrschen wie die Naturmächte selbst. Die Phantasiegestalten, in denen sich anfangs nur die geheimnisvollen Kräfte der Natur widerspiegelten, erhalten damit gesellschaftliche Attribute, werden Repräsentanten geschichtlicher Mächte.“ (Engels, MEW, Band 20, S. 294)
Die monotheistischen Weltreligionen, insbesondere das Christentum, sind ein Ergebnis der antagonistischen Klassengesellschaft mit ihren Verhältnissen der Ausbeutung und Unterdrückung. Entstanden als Ausdruck der Unzufriedenheit und zugleich der Ohnmacht der ausgebeuteten Volksmassen, wurde z.B. das Christentum sehr bald zur Staatsreligion und in den Dienst der ausbeutenden Klasse gestellt.. „Denjenigen, der sein Leben lang arbeitet und Not leidet, lehrt die Religion Demut und Langmut hienieden und vertröstet ihn mit der Hoffnung auf himmlischen Lohn. Diejenigen aber, die von fremder Arbeit leben, lehrt die Religion Wohltätigkeit hienieden, wobei sie ihnen eine recht billige Rechtfertigung ihres ganzen Ausbeuterdaseins anbietet und Eintrittskarten für die himmlische Seligkeit zu erschwinglichen Preisen verkauft.“ (Lenin, Band 10, S. 70/71) Deshalb bezeichnet K. Marx die Religion auch als „das Opium des Volkes“ (Marx, MEW, Bd. 1, S. 378) und charakterisiert damit ihr Wesen. Die in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung spontan wirkenden Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise, die zu sozialer Unsicherheit, Krisen und verheerenden Kriege führen, sind auch in der Gegenwart die soziale Basis für das Fortbestehen religiöser Auffassungen. Solange die Menschen den Gesetzen der kapitalistischen Gesellschaft ausgeliefert sind, erscheinen die kapitalistischen Ausbeutungsverhältnisse als unwandelbare überirdische Mächte. Zu allen Zeiten versuchten die Ausbeuterklassen mit Hilfe der Religion die unterdrückten Massen nieder zuhalten. Auch in der Gegenwart wird versucht religiöse Gefühle dazu zu missbrauchen, die Werktätigen der kapitalistischen Länder von der Erkenntnis und der Verfechtung ihrer wahren Interessen abzuhalten und sie mit der kapitalistischen Gesellschaft zu „versöhnen“ (politischer Klerikalismus).
— Wird fortgesetzt —

Widerspruch

Beziehung zwischen Erscheinungen der objektiven Realität bzw. des Denkens, die sich ausschließen und – im Falle des dialektischen Widerspruchs – zugleich bedingen. Man unterscheidet den logischen und den dialektischen Widerspruch. Der logische Widerspruch tritt nur im Denken auf; er ist eine Kontradiktion, d. h. eine Konjunktion, die aus einer Aussage und deren Negat besteht. Dialektische Widersprüche existieren in der objektiven Realität; sie können in dialektischen Widerspruch des Denkens widergespiegelt werden. Der Satz vom ausgeschlossenen Widerspruch – bereits von Aristoteles formuliert – fordert die Vermeidung logischer Widersprüche im Denken; er ist ein wichtiges Hilfsmittel des wissenschaftlichen Erkennens. Eine Theorie, die logische Widersprüche enthält, gewährleistet keine zutreffende Erfassung des von ihr abgebildeten Gegenstandes. Daher ist an wissenschaftliche Theorien die Forderung der (logischen) Widerspruchsfreiheit zu stellen.
Wörterbuch „Philosophie und Naturwissenschaften“ Dietz Verlag Berlin 1982, Seite 1004

Pazifismus

bürgerliche bzw. kleinbürgerliche Strömung und Ideologie u. a. in kapitalistischen Ländern, die unter der Losung des Friedens um jeden Preis gegen alle Arten von Kriege auftreten. Der Pazifismus lässt den Klassencharakter des Krieges unberücksichtigt und lehnt auch den gerechten Krieg – den revolutionären Krieg der fortschrittlichen Klassen wie auch den nationalen Befreiungskrieg – ab. Er führt den Kampf um Frieden nicht als Kampf gegen die sozialen und politischen Ursachen der Kriege in der antagonistischen Klassengesellschaft, namentlich im Imperialismus.
In der Forderung nach Sicherung des Friedens und Verhinderung eines in der Gegenwart die Existenz der Menschheit bedrohenden Krieges berührten sich der Pazifismus und die Politik der sozialistischen Staaten sowie der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung und der anderen um den Frieden kämpfenden Bewegungen und sozialen Kräfte der Gegenwart. Die reaktionärsten Kreise des internationalen Monopolkapitals sehen in den pazifistischen Losungen eine wachsende Gefahr für die Verwirklichung ihrer aggressiven Politik. Deshalb versucht die imperialistische Ideologie und Politik, den Pazifismus mit Hilfe des Antikommunismus zurückzudrängen. Im Sozialismus war die Sicherung des Friedens das oberste Gebot; wobei der sichere militärische Schutz der sozialistischen Gesellschaft der beste Garant gegen die imperialistische Politik der Hochrüstung und Kriegsgefahr war.

Angelehnt an: Kleines politische Wörterbuch, Dietz Verlag, Berlin 1986, Seite 729

Freitag, 4. Februar 2011

Objektive Realität

die materielle Welt, die unabhängig und außerhalb vom menschlichen Bewusstsein existiert und von diesem widergespiegelt wird. Der Begriff der objektiven Realität ist gleichbedeutend mit dem Begriff Materie, materielle Welt und objektive Wirklichkeit.

Aus: Kleines politisches Wörterbuch, sechste Auflage, Dietz Verlag Berlin 1986, Seite 683.



Dienstag, 11. Januar 2011

Münchener Abkommen

am 29. Sept. 1938 in München von Artur Neville Chamberlain, Edouard Daladier, Adolf Hitler und Benito Mussolini unterzeichneter Vertrag, der Deutschland zur Okkupation tschechoslowakischer Grenzgebiete in Böhmen und Mähren, des sogenannten Sudetengebietes, in der Zeit vom 1. – 10. Oktober 1938 ermächtigte. Im Zusammenhang mit dem Münchener Abkommen erpresste die reaktionäre polnische Regierung die am 1. Oktober 1938 erfolgte Abtrennung des Teschener Gebietes und zweier kleinerer Grenzstreifen in der Slowakei. Der Wiener Schiedsspruch vom 2. November 1938 ermöglichte Horthy-Ungarn die Okkupation der Südslowakei. Insgesamt verlor die Tschechoslowakei ein Gebiet von 40929 km² mit 5.017.356 Einwohnern – davon 1,25 Millionen Tschechen und Slowaken-, 33 Prozent aller Betriebe, viele strategische Verbindungen sowie den gesamten Grenzbefestigungsgürtel und wurde damit von Hitlerdeutschland völlig abhängig. Unter dem erpresserischen Druck Hitlers verrieten die Westmächte im Zuge ihrer „Befriedungspolitik“ den tschechoslowakischen Verbündeten, um die faschistische Aggression gegen die UdSSR zu lenken. Die Westmächte lehnten jede verbindliche Garantie der Grenzen der Tschechoslowakei ab. Allein die Regierung der UdSSR stand zu ihren Bündnisverpflichtungen und mobilisierte Teile ihrer Armee für den Bündnisfall. Doch die reaktionäre tschechische Regierung fürchtete einen Krieg an der Seite der UdSSR, lehnte das Hilfsangebot ab und nahm das Münchener Diktat unter Verfassungsbruch an.
Dadurch wurde dem kampfbereiten tschechoslowakischen Volk, an dessen Seite sich auch deutsche Antifaschisten stellten, die Waffen aus der Hand geschlagen. Das Münchener Abkommen ermunterte den deutschen Imperialismus zu weiteren Aggressionen und ebnete ihm den Weg zum zweiten Weltkrieg. Das Münchener Abkommen kam unter gröbster Verletzung der Prinzipien internationalen Rechts zustande und war daher von Anfang an völkerrechtlich ungültig.
Aus diesem Grund forderten die sozialistischen Staaten, dieses Schandabkommen für null und nichtig zu erklären, und zwar von Anfang an. Während sich die Deutsche Demokratische Republik bereits in einem ihrer ersten außenpolitischen Akte, der Gemeinsamen Deklaration der Regierungen der CSR und der DDR vom 23. Juli 1950, eindeutig vom Münchener Abkommen distanzierte und es als völkerrechtswidrig und ungültig erklärte, widersetzte sich die BRD jahrelang dieser Forderung. In einer Reihe von offiziellen Erklärungen, namentlich anlässlich des 20. und des 25. Jahrestages der Unterzeichung des Münchener Abkommens, hat die Regierung der DDR diesen Standpunkt bekräftigt und erklärt, dass sie das Abkommen als von Anfang an für null und nichtig betrachtet. Der unermüdliche Kampf vor allem der UdSSR und der anderen sozialistischen Staaten sowie demokratischer Kräfte in der BRD für die Schaffung von Grundvoraussetzungen zur Gewährleistung der europäischen Sicherheit, haben entscheidend dazu beigetragen, dass die Regierung der BRD im Vertrag über die gegenseitigen Beziehungen zwischen der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland vom 11. Dezember 1973 den Feststellungen zu gestimmt hat, dass das Münchener Abkommen „der Tschechoslowakischen Regierung durch das nationalsozialistische Regime unter Androhung von Gewallt aufgezwungen wurde“ und das es nichtig betrachtet wird.

Aus: Wörterbuch der Geschichte, Dietz Verlag Berlin 1983, Seite 721/22.