
Aufklärung: die gegen
den Feudalismus und seine Ideologie gerichtet geistige
Emanzipationsbewegung der Bourgeoisie in Vorbereitung und Durchführung
der bürgerlichen Revolutionen im 17. und 18. Jh. Die Aufklärung erfasste
nahezu alle europäischen Länder. Sie entwickelte sich jedoch in den
einzelnen Ländern entsprechend den unterschiedlichen historischen
Bedingungen in verschiedener Weise und erlangte unterschiedliche
Bedeutung. Am vollendetsten wurde sie in England und Frankreich
ausgebildet, wo die aufsteigende Bourgeoisie sich in einem einheitlichen
Nationalstaat entwickelte und ihre gesellschaftlichen Forderungen am
entschiedensten vertraten. In Deutschland vollzog sich der ökonomische
und politische Aufstieg des Bürgertums im Rahmen einer Vielzahl kleiner
absolutistischer Territorialstaaten und – verglichen mit England und
Frankreich – nur sehr langsam. Die deutsche Aufklärung konnte an den
Errungenschaften der englischen und insbesondere der französischen
Aufklärung anknüpfen. Hervorragende Vertreter der deutschen Aufklärung
waren z. B. G. W. Leibnitz, S. Pufendorf, Ch. Thomasius, Ch. Wolff, H.
S. Reimarus, G. E. Lessing und I. Kant. Die Aufklärung hatte, so
vielgestaltig sie war, eine einheitliche Grundtendenz: Sie bekämpfte die
herrschenden feudalen politischen, sozialen, ökonomischen,
philosophischen, ästhetischen und theologischen Anschauungen und die
bestehenden politischen Institutionen des Feudalismus. Sie strebte nach
Verbreitung von Wissen, nach Ausrichtung des Denkens auf die Schaffung
einer vernunftgemäßen, menschenwürdigen Gesellschafts- und
Staatsordnung, die die Selbstverwirklichung des Menschen garantieren
sollten. „Religion, Naturanschauung, Gesellschaft, Staatsordnung, alles
wurde der schonungslosen Kritik unterworfen; alles sollte seine Existenz
vor dem Richterstuhl der Vernunft rechtfertigen oder auf die Existenz
verzichten.“ (Engls, MEW, Bd. 20, Seite 16)
Ihren Abschluss fand
die Aufklärung, nachdem die Bourgeoisie ihre politische Macht gefestigt
hatte und sich der Klassengegensatz zwischen Proletariat und Bourgeoisie
entfaltete. Die Bourgeoisie sagte sich von den progressiven
Erkenntnissen und Zielen los und nahm in zunehmendem Maße in Theorie und
Praxis eine den gesellschaftlichen Fortschritt hemmende Position ein.
Die Verwirklichung der humanistischen Ziele der Aufklärung scheiterte
also letztlich an den kapitalistischen Ausbeutungsverhältnissen. …
Quelle: Kleines Politisches Wörterbuch, sechste Auflage, Dietz Verlag, Berlin 1986, Seiten 98/99.
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