Zitat:

Es setzt sich nur so viel Wahrheit durch, als wir durchsetzen; der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein. - Bertold Brecht, „Leben des Galilei“

Zitat:

Bedrohlich ist das Volk für die Herrschenden, wenn es ohne Furcht ist.“ -Tacitus (römischer Historiker)

Zitat:

Die Furcht vor Übervölkerung tritt stets in Perioden auf, in denen der bestehende Sozialzustand im Zerfall begriffen ist. August Bebel

Sonntag, 15. Januar 2012

Konstruktive Kritik fürs System des Kapitals!

In der SZ fand sich vor Tagen ein Beitrag, ein Gastbeitrag, auf welchen ich auf der Seite Kritische Massen aufmerksam wurde. Dieser Beitrag ist überschrieben:Thesen gegen die Ausplünderung der Gesellschaft "Kapitalismus braucht keine Demokratie", letzteres ohne Satzzeichen. Ein Ausrufezeichen, oder auch Fragezeichen, zumindest einen Punkt hätte ich der Überschrift schon gewünscht. Braucht nun Kapitalismus Demokratie oder nicht? Zumindest wäre die Einordnung etwas leichter gewesen, gerade weil der Text eine Antwort diesbezüglich schuldig bleibt. Wäre die Überschrift mit einem Fragezeichen versehen, was durchaus berechtigt ist, könnte klar mit ja geantwortet werden, der Kapitalismus kommt auch ganz gut mit einer Diktatur zurecht, was er oft genug bewiesen hat und von bestimmten Kräften des Kapitals gegenwärtig auch wieder angestrebt wird. Somit könnte eindeutig ein Ausrufungszeichen hinter der Überschrift stehen! Ja, Kapitalismus braucht keine Demokratie und schon gar nicht wenn nützlichere Alternativen erforderlich sind!
Wenn der Text nun gelesen wird, so kann festgestellt werden, dass es sich um eine Form seichter Kapitalismuskritik handelt, in welcher der tiefere Sinn anscheint darin besteht, die Knöchel nicht nass werden zu lassen und das, obwohl das Wasser schon lange keinen Stand auf festen Grund mehr zulässt. So wird dann auch  in den Fluten seichter Kritik herumgerudert, kleeschehaft versucht Illusionen zu erhalten und zu nähren.
Bevor es zum eigentlichen Text geht, ist dann noch zu lesen: „Wahnsinn als Selbstverständlichkeit: Seit Jahren ist es offensichtlich, dass die Demokratie ruiniert wird und der Sozialstaat zerfällt. Privatisierte Gewinne und sozialisierte Verluste sind zur Selbstverständlichkeit verkommen. 13 Gründe, sich selbst wieder ernst zu nehmen.“ Und einmal davon abgesehen, ob wirklich 13 Gründe, mehr oder weniger gebraucht werden um sich ernst zu nehmen und oben noch von Thesen geschrieben wurde, wird hier eine Selbstverständlichkeit für das System des Kapitals relativiert, in dem es als Ausnahme, oder Spitze des Eisberges, als verkommen dargestellt wird.
Zu den Thesen, oder „Gründen, sich selbst wieder ernst zu nehmen“, sind mir einige Gedanken gekommen:

Donnerstag, 12. Januar 2012

Gefunden: Nachdenken über Demokratie und gesellschaftliche Perspektiven!

Zum Thema Demokratie und gesellschaftlichen Sein finden sich hier einige interessante Gedanken, wobei dem Text meines Erachtens gängige Illusionen über Demokratie zu Grunde liegen, ohne auf alle Teile des Textes einzugehen, habe ich folgenden Kommentar hinterlassen!

Nun der Herr Churchill, gern wird er als Demokrat gepriesen, was er sicher auch war, gern wird er zitiert, nur wollte er des Volkes Wohl, oder war er nicht doch eher einer der extremsten Vertreter des Kapitals? Hat er nicht sogar Sympathie für Hitler und dessen Form der Machtausübung empfunden, bevor er zum erbitterten Gegner mutierte? Dabei hat Churchill nicht Unrecht, mit dem was er sagt, wenn dem geschuldeten Zusammenhang und das von ihm vertretene Interesse Berücksichtigung findet. Und was bedeutet die Aussage, dass „eine Demokratie ohne eine starke, gleichberechtigte Opposition … nur eine Scheindemokratie“ ist? Doch nichts anderes, als das mittels Demokratie für Interessenausgleich gesorgt wird, oder zumindest gesorgt werden soll. Nur um wessen Interesse geht es in der gemeinten bürgerlich parlamentarischen Vertreterdemokratie?

Dienstag, 10. Januar 2012

Zunehmende Bedürftigkeit, eine Erfolgsstory?

Am 16.12.2011 fand sich in der MZ auf Seite 7 (Quedlinburger Harzbote) ein Beitrag mit der Überschrift „Essen verbindet“. Dem möge so sein und auch ich sitze gern mit Menschen bei einem gemeinsamen Essen zusammen. Dabei gilt sicher nicht die altbackene Ansicht, dass beim Essen nicht gesprochen wird, den gerade die verschiedensten Tischgespräche haben etwas sehr belebendes und vor allen auch geselliges. Aber darum geht es nicht in diesem Beitrag, sondern um eine Suppenküche, in welcher Bedürftige speisen können und zwar nicht nur Suppe. Eigentlich ist dagegen nichts zu sagen, wenn nicht das ganze Projekt als eine Erfolgstory gepriesen würde. Eher ist es Traurig, dass wir in einer Zeit leben, wo immer mehr Menschen auf solche Einrichtungen angewiesen sind, wo Tafeln längere Schlangen kennen, als die meisten Supermärkte, nicht weil sie Lebensmittel kostenfrei an Bedürftige abgeben, sondern weil diese Bedürftigen nicht das Geld haben, in Supermärkten sich ausreichend zu versorgen. Eine Erfolgsstory wäre es, wenn solche sozialen Angebote nicht mehr gebraucht würden, aber nicht umgekehrt. Die Folgen zunehmender Verelendung immer breiterer Bevölkerungsschichten als Erfolgsstory zu bezeichnen, ist letztlich doch reichlich makaber. Der einzig positive Effekt liegt dann doch im Verbindenden, da die bedürftigen Menschen anschließend gern sitzen bleiben und sich austauschen.
Getragen wird das Ganze von Freiwilligen und prekär Beschäftigten, welche mittels Job-Center zu Ein-Euro-Jobs verpflichtet wurden. Eine feste Stelle wird daraus sicher nicht, denn es wird betont, dass es darauf ankommt, nach Ablauf der Maßnahme wieder neue Leute zu bekommen. Das unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Bedingungen solche Projekte sich zum Selbstläufer entwickeln ist ebenfalls kein Anlas zur Freude, sondern Ausdruck für wachsende Verelendung. Wenn dann noch berücksichtigt wird, dass dieses ja nicht die einzige Einrichtung ihrer Art in Quedlinburg ist, … nun ja, leider notwendig, aber in keinem Fall eine Erfolgstory!
Leider ist der Beitrag auf der Internetseite der MZ nicht zu finden. 

Auf einer Facebookseite ...

Auf einer Facebookseite wurde ich auf einen Artikel von Sahra Wagenknecht, mit dem Titel „Begrenzt die private Wirtschaftsmacht“, aufmerksam. Auch wenn es eigentlich nicht üblich scheint auf solchen Seiten längere Kommentare zu hinterlassen, habe ich trotzdem folgenden Kommentar zum Verweiß veröffentlicht:
Als ob neue Wirtschaftsordnungen so einfach wünschbar wären! Übrigens durchaus bezeichnend, wenn die Wirtschaftsordnung mit demokratischen Grundregeln kollidiert, da diese laufenden wirtschaftlichen Entwicklungen anscheinend nicht mehr entsprechen. Und wann wurde der Kurs Europas schon mal von Regierungen bestimmt? Welche Aufgeben haben diese zu erfüllen und was ist eigentlich der Staat?
Fraglich auf welchen Faden die Ikone kommunistischen Seins in der Partei die Linke wandelt, dass sie zu diesen Schlüssen kommt? Wo sind Marx, wo ist Engels und wo Rosa Luxemburg, deren Vorbild sie zumindest äußerlich nacheifert?
Ja, es gibt viele Widersprüche im System des Kapitals und sogar einen Grundwiderspruch und auch wenn Geld unter bestimmten Bedingungen Warencharakter hat, so ist es nicht das Geld, welches dazu führt, dass sich die Widersprüche innerhalb kapitalistischen Seins verschärfen, auch hier ist es nur ein Mittler, ein Instrument der Tat!
Und wäre ein Kapitalismus ohne Neoliberalismus ein guter Kapitalismus, gar ein menschfreundlicher Kapitalismus, wie der Beitrag indirekt unterstellt? Von eigner Arbeit ist dabei noch niemand reich geworden, auch kann er damit kaum das entscheidende Eigentum schaffen, welche er benötigt, nämlich Eigentum an den entscheidenden Produktionsmitteln. Von anderer Arbeit hingegen gelingt dieses durchaus und nur durch anderer Arbeit, in dem sie im eigenem Interesse ausgebeutet wird. Übrigens auch nicht durch Erbschaft und Spekulation, wie angesprochen, mittels dieser Elemente wird höchstens erhalten und umverteilt!

Aufruf gegen einen Krieg gegen Iran und Syrien!

Dem Link folgend kann der Aufruf gezeichnet und damit unterstützt werden!
Aufruf gegen einen Krieg gegen Iran und Syrien!
„Kriegsvorbereitungen stoppen! Embargos beenden!
Solidarität mit den Völkern Irans und Syriens!“
So ist ein Aufruf gegen die aktuelle Kriegstreiberei gegen Iran und Syrien überschrieben, welchen ich nicht nur auf Grund der jüngsten Erfahrungen aus dem Krieg gegen Libyen unterstütze.
Im Folgenden der Text oben genannten Aufrufs:
Zehntausende Tote, eine traumatisierte Bevölkerung, eine weitgehend zerstörte Infrastruktur und ein zerfallener Staat: Das ist das Ergebnis des Krieges, den USA und Nato geführt haben, um den Reichtum Libyens plündern und das Land wieder kolonialisieren zu können. Jetzt bereiten sie offen den Krieg gegen die strategisch wichtigen bzw. rohstoffreichen Länder Syrien und Iran vor, die eine eigenständige Politik verfolgen und sich ihrem Diktat nicht unterordnen. Ein Angriff der Nato auf Syrien oder Iran kann zur direkten Konfrontation mit Russland und China führen – mit unvorstellbaren Konsequenzen.
Mit ständigen Kriegsdrohungen, dem Aufmarsch militärischer Kräfte an den Grenzen zu Iran und Syrien sowie mit Sabotage- und Terroraktionen von eingeschleusten „Spezialeinheiten“ halten die USA gemeinsam mit weiteren Nato-Staaten und Israel die beiden Länder in einem Ausnahmezustand, der sie zermürben soll. Zynisch und menschenverachtend versuchen USA und EU, mit Embargos ihren Außenhandel und Zahlungsverkehr planmäßig lahm zu legen. Die Wirtschaft des Iran und Syriens soll bewusst in eine tiefe Krise gestürzt, ihre Arbeitslosenzahlen erhöht und die Versorgungslage ihrer Bevölkerung drastisch verschlechtert werden. Die inneren sozialen Konflikte sollen ethnisiert und zugespitzt, ein Bürgerkrieg entfacht werden, um einen Vorwand für die längst geplante militärische Intervention zu schaffen. An diesem Embargo gegen Iran und Syrien beteiligt sich auch ganz maßgeblich die deutsche Bundesregierung.
Wir rufen alle Bürger, die Kirchen, Parteien, Gewerkschaften, die Friedensbewegung auf, dieser Kriegspolitik konsequent entgegenzutreten.
Wir fordern, dass die Bundesregierung
  • die Embargomaßnahmen gegen den Iran und Syrien bedingungslos und sofort aufhebt;
  • klarstellt, dass sie sich an einem Krieg gegen diese Staaten in keiner Weise beteiligen und die Nutzung deutscher Einrichtungen für eine Aggression durch USA und Nato nicht gestatten wird;
  • sich auf internationaler Ebene für die Beendigung der Politik der Erpressung und Kriegsdrohung gegen den Iran und Syrien einsetzt.
Das iranische und syrische Volk haben das Recht, über die Gestaltung ihrer politischen und gesellschaftlichen Ordnung allein und souverän zu entscheiden. Die Erhaltung des Friedens verlangt es, dass das Prinzip der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten konsequent eingehalten wird.

Gedanken zu Weltuntergangsphantasien

In Facebook fand ich einen Verweiß auf einen Beitrag, welcher mit „ein neues Weltuntergangszenario“ überschrieben ist. Im Studiokino des Kulturzentrums Reichenstraße in Quedlinburg läuft gerade der Film MELANCHOLIA, eine Weltuntergangsphantasie auf gehobenem Niveau und nicht unpassend zur alljährlichen Geburtswehen-Mythologie der Weihnachtszeit, welche einer Religion entspringt, die mythologisch am Ende des menschlichen Seins den Tag des jüngsten Gerichts zelebriert haben möchte.  
Der Erinnerung folgend, blühen gerade die verschiedensten Weltuntergangsphantasien in Zeiten sich zuspitzender gesellschaftlicher Widersprüche, welche sich in immer kürzerer Folge in den verschiedensten gesellschaftlichen Krisen zu entladen suchen. Nur warum sich um das Heute und Morgen sorgen, wenn übermorgen ohnehin die Welt wie wir sie kennen den Bach runtergeht? Und das wird sie durchaus, sie hat es verdient, die Welt die wir kennen. Das bedeutet aber noch lange nicht den Untergang der Menschheit, selbst wenn diese die Potenziale längst entwickelt hat, welche einen solchen Untergang hervorrufen können. Übrigens und auch eine Frage des Filmes, was tun wenn das Unabwendbare auf einen zukommt? Sich die Rübe zukippen, noch mal die Sau raus lassen, oder sich ruhig hinsetzen und sehenden Auges schauen was auf einen zukommt? Die Akteure im Film bauen sich eine magische Höhle aus Ästen, setzen sich hinein und warten auf die Kollision zweier Planeten, wobei die zwei Erwachsenen sich durchaus der Konsequenzen des Kommenden bewusst sind und die Ablenkung dem Kinde geschuldet ist.
Nun ja, also warum sich um heute und jetzt kümmern, wenn die Welt eh bald untergeht? Setzen wir uns hin und harren der Dinge die da kommen mögen, wir können eh nichts dagegen tun, ist alles Schicksal, so die Intention! Die Apokalypse, wie oft sie auch verkündet wurde, sie wird kommen, am Ende der Zeit, oder mit ihr das Ende der Zeit? Nur am Ende welcher Zeit? Von Ewigkeit zu Ewigkeit und selbst Unendlichkeit ist letztlich nur die Summe unendlich vieler Endlichkeiten! Dabei ist alles was besteht ohnehin wert das es zu Grunde geht! Und doch ist etwas dran, wie wir heute wissen, denn zum einen wird die Sonne, um welcher unser Planet sich bewegt, einmal sterben, was zugegebener Maßen noch eine Weilchen hin ist und uns gegenwärtig nicht zu stören braucht, aber zum anderen hat die Menschheit eben selbst die Potenziale entwickelt, um ihrem Sein ein Ende zu bereiten. Letzteres bedeutet eigentlich nicht mehr aber auch nicht weniger, dass selbst für ihren Untergang die Menschen nicht einmal mehr eines Gottes oder mehrerer Götter bedarf. Selbst was den Weltuntergang betrifft, zumindest den Untergang unserer Welt, um etwas anderes geht es in keiner Weltuntergangsfantasie, braucht die Menschheit heute keine Götter mehr, dass kann sie durchaus selbst vollbringen, aber auch verhindern! Und da liegt der Unterschied, welcher gern verwischt wird, auch indem die Natur als Untergangsverursacher meistens herhalten muss, sei es eben wie im erwähnten Film ein anderer Plante, welcher mit der Erde kollidiert, sein es Meteoriten, oder Erdbeben, Vulkane, plötzlich und unerwartet eintretende Eiszeiten und was nicht sonst so alles aus der Mottenkiste apokalyptischer Ablenkung. Die eigentliche Gefahr, eine wirkliche Gefahr für den Fortbestand der menschlichen Zivilisation wird hingegen gern unterschlagen. Die eigentliche Gefahr für den Menschen ist der Mensch selbst, sind die von ihn geschaffenen gesellschaftlichen Verhältnisse, in deren Kern die bestimmenden Produktionsverhältnisse. Eigentliche Zusammenhänge, Ursachen und Gefahren verschleiernd werden gern natürliche „Gefahren“ in den Fordergrund gestellt und was können die Menschen schon gegen die Kräfte der Natur ausrichten? Anders sieht es mit den Kräften innerhalb der Gesellschaft aus, dort wirken Menschen, verschiedenen Interessen folgend und es könnte geradezu verheerende Folgen haben, sich hinzusetzen und der Dinge zu harren, welche über einen kommen, denn diese sind alles andere als Unvermeidlich, oder wie in der Politik gern bezeichnet, unabänderliche Sachzwänge.

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Es gibt keinen Weg ohne Schaden zwischen Skylla und Charybdis hindurch!

Interessanter Beitrag zu antikapitalistischer Organisiertheit, welcher durchaus berechtigten Widerspruch erntet.
Im Beitrag wird historisch aufgearbeitet, ohne jedoch z. B. die konkrethistorischen Bedingungen in Russland nach der Oktoberrevolution entsprechend zu berücksichtigen, wird sich auf die Suche nach neuen antikapitalistischen Organisationsformen begeben. Die Einschätzungen zum demokratischen Zentralismus, von seinem ursprünglichen Anliegen, zur praktischen Umsetzung nach der russischen Revolution, sind meines Erachtens treffend. Allein die Ursachen einer solchen Entwicklung werden negiert. Nun möchte ich hier nicht Ereignisse während der russischen Revolution, sowie des folgenden Bürgerkrieges und der Interventionskriege gegen den jungen Sowjetstaat, beurteilen, aber ich kann sie auch nicht verurteilen, ohne die konkret historischen Bedingungen in betracht zu ziehen. Es ist immer einfach vom heutigen Standpunkt, auf Grund unserer heutigen Erkenntnisse, zu Urteil! Um aber einer Beurteilung der Situation vor fast 100 Jahren in Russland gerecht zu werden, gilt es damalige Umstände, insbesondere die Produktivkraftentwicklung in Russland zu berücksichtigen. Gerade die Beitrag beschriebenen Entwicklungen hatten konkrete Ursachen, sie kam nicht von irgendwoher, sondern war Menschenwerk und der Akteure waren viele. In Russland wurde eine sozialistische Revolution durchgeführt, obwohl entscheidende Vorraussetzungen eigentlich fehlten, oder maximal in Ansätzen vorhanden waren. Kapitalistische Produktionsverhältnisse gab es in Russland gerade einmal im Ansatz, der überwiegende Teil des Landes wurde damals noch von feudalen Verhältnissen geprägt. Somit war auch die Klasse, welche entschiedener Träger einer sozialistischen Revolution ist, nur im geringen Maß vorhanden. Und letztlich führten auch die Kriege dazu, dass die Arbeiterklasse weiter dezimiert wurde, erst im ersten Weltkrieg, anschließend in den Interventions- und Bürgerkriegen. Proletarisch, demokratische Institutionen waren mit den verbliebenen Proletariern kaum möglich und die Bauern, welche aus ihrer Leibeigenschaft befreit wurden, waren noch weit entfernt revolutionäres Subjekt im Sinne einer proletarischen Revolution zu sein. 
Etwas anders verhält es sich mit der fortschreitenden Entwicklung, die geschaffenen Strukturen, welche in erster Linie dem Erhalt der Macht dienten, wurden beibehalten, obwohl mit fortschreitender Entwicklung Veränderungen möglich gewesen wäre, ohne das angestrebte System des Sozialismus in Frage zu stellen. Das es also zu Beginne der Revolution zu den beschriebenen Ereignissen gekommen ist, hatte konkret historische Ursachen und gerade auch die zahlenmäßig geringe Arbeiterklasse war nicht in der Lage eine Revolution allein zum Sieg zu führen, genauso wenig wie sie in der Lage war, späteren Entwicklungen Einhalt zu gebieten. So kam es auch im Falle der Oktoberrevolution dazu, das die Revolution ihre Kinder gefressen hat, nicht neu in der Geschichte, aber für eine sozialistische Revolution scheint dieses die Vorstellungswelt manchen Zeitgenossen zu überfordern. Wenn dann noch die Forderung aufgemacht wird, dass sich die Revolution nicht hätte verteidigen dürfen, ist das revolutionäre Traumtänzereiland erreicht, auf welchen es im Schmusekurs in eine neue, bessere Gesellschaftsordnung geht. Nur was wäre wenn, was wäre wenn die Revolution sich nicht verteidigt und alle in der Zeit durchaus üblichen Mittel der Auseinandersetzung eingesetzt hätte? Hätten die Feinde innegehalten, den Bürgerkrieg und die Intervention beendet? Oder wäre es den Revolutionären ergangen wie den Pariser Kommunarden 1871, welche im Blutrausch der Sieger tausendfach dahingeschlachtet wurden?
Wie schon geschrieben, es ist nicht unbedingt hilfreich, vergangene Zeit, vergangene Entwicklungen mit heutigem Wissen, auf Basis gegenwärtiger Erkenntnisse zu verurteilen. Wenn sich dann noch der Illusion hingegeben wird, dass revolutionäre Veränderungen ohne Widerstand zu haben wären, wird sich nicht nur auf den Holzweg begeben, sondern selbst noch an diesen gesägt.    
Dem Beitrag wurde eine Überschrift gegeben, ein Gleichnis aus der Antike, jedoch ohne dieses verstanden zu haben. Aus diesem Grund habe ich zum Beitrag folgenden Kommentar hinterlassen:
Es gibt keinen Weg ohne Schaden zwischen Skylla und Charybdis hindurch!
Nun ging es auch in der Antike nicht ohne Grund ohne Schaden zwischen Skylla und Charybdis hindurch. Odysseus musste Besatzungsmitglieder opfern, um das Schiff und den Rest der Besatzung zu retten! Es gab nur die Möglichkeiten einem Ereignis durch die Annährung an das andere auszuweichen und so entschied Odysseus sich vom Strudel zu entfernen, welcher das ganze Schiff samt Besatzung verschlungen hätte. Dabei war er sich durchaus der Tatsache bewusst, dass einige seiner Mitstreiter sterben müssten. 
Nun ja, selbst Gleichnisse sind mit Versicht zu genießen, wobei dieses Gleichnis durchaus treffend ist, gerade für die Anfänge sozialistischen Seins in Russland!
Nachsatz: Es ist durchaus wichtig einheitliche Organisiertheit zu erreichen, aber auch Bündnisse verschiedenster Art sollten nicht vergessen werden.
Noch einmal zur Oktoberrevolution: In Russland war es gelungen eine sozialistische Revolution erfolgreich zu beginnen und über lange Jahre zu behaupten. Welche Bedeutung diese Revolution für die Menschen weltweit hatte, wird besonders in der Gegenwart sichtbar, in einer Zeit, in welcher es die Sowjetunion und das sozialistische Lage nicht mehr gibt. Krisen verschärfen sich in bisher ungekanntem Maß, Kriege werden unverholen geführt, sowie die sozialen Errungenschaften in den Hauptländern des Kapitals weitestgehend ungehindert abgebaut. Die Sowjetunion hatte die Hauptlast am zweiten Weltkrieg getragen und war in Folge bis zu ihrem Untergang der Hauptgarant für den Frieden in der Welt.
Und wie schon geschrieben, heute sind Kriege an der Tagesordnung, immer mehr Völker werden mit Krieg und Elend überzogen und es gibt keine Kraft, welche sich den imperialen Bestrebungen konsequent und erfolgreich entgegenstellt. Nun gilt es aus der Geschichte zu lernen, ohne diese aber komplex zu betrachten, wird es keine zukunfttauglichen Schlüsse geben. Sich in diesem Zusammenhang zu fragen, warum es bestimmten Kräften notwendiger denn je scheint, den Sozialismus Jahre nach seinem Untergang in Europa immer noch zu verunglimpfen, sollte nicht versäumt werden. Die Antwort darauf finden wir übrigens in der Gegenwart.
 
05.11.2022 Heute wurde dieser Text nach von geholt, warum auch immer, ich habe ihn ein Bild gegeben und musste feststellen, das der oben angegebene Link nicht mehr dorthin führt, wo er hinführen sollte, zum gegenständlichen Text. Die Seite gibt es nicht mehr, was so ungewöhnlich auch nicht ist, aber schade um den Gegenstand. 

Sonntag, 11. Dezember 2011

Glaube:

Glaube: 1. umgangssprachlich eine geistige Haltung, die ein berechtigtes Erwarten, Hoffen oder Vermuten von Tatbeständen oder Ereignissen bzw. das Vertrauen zu anderen Menschen zum Ausdruck bringt; 2. als religiöser Glaube eine idealistische, im Gegensatz zum Wissen stehende unbedingte Zustimmung zu angeblich unbezweifelbaren, durch Gott (Jahve, Allah, Buddha) geoffenbarte Glaubenswahrheiten. Zugleich ist Glaube eine Verhaltensweise, die uneingeschränktes Vertrauen in die Erfüllung der religiösen Erwartung setzt. Dem religiösen Glauben liegt die Auffassung von der Existenz Gottes (bzw. mehrerer Götter) und seiner Offenbarung bzw. von der Existenz und Wirkung übernatürlicher Kräfte und Mächte zugrunde. Seinem Wesen nach ist der Glaube stets subjektives, illusionäres Fürwahrhalten.