
faschistischer
Tarnbegriff für die systematische Ermordung von Mill. Jüdischer Menschen
aus ganz Europa. Der Begriff taucht zuerst auf einer Konferenz bei
Hermann Göring am 12. Nov. 1938 nach der sog. Kristallnacht auf. Göring
kündigte die Endlösung der Judenfrage im geplanten Krieg an. Adolf
Hitler sprach am 30. Jan. 1939 darüber vor dem Reichstag. Die „Endlösung
der Judenfrage“ war Bestandteil der faschistischen-imperialistischen
Kriegsziele (Neuordnung Europas, Germanisierungspolitik); sie hatte
ideologische und ökonomische Ursache (Antisemitismus, Arisierung der
deutschen Wirtschaft). Die „Endlösung der Judenfrage“ wurde juristisch
durch die Nürnberger Gesetze (15. Sep. 1935 vom Naziparteitag in
Nürnberg verkündet) u. a. Maßnahmen, die die jüdischen Bürger sämtlicher
Rechte beraubt und ihre Lebensbereiche immer mehr einschränkten, und
propagandistisch durch antisemitische Hetze vorbereitet
(Judenverfolgung).
Die „Endlösung der
Judenfrage“ begann im besetzen Polen mit Massenmord und Einweisung in
Gettos. Ab 31. Juli 1941 wurde sie durch einen Auftrag Görings an
Reinhard Heydrich forciert. Auf der Konferenz hoher Ministerialbeamter
und SS-Führer am 20. Jan. 1942 (Wannsee-Konferenz) wurden unter Leitung
Heydrichs koordinierende Maßnahmen zur Ermordung von über elf Millionen
Juden aus allen europäischen Ländern beschlossen. In der Sowjetunion
führten spezielle Mordkommandos (Einsatzgruppen) den Massenmord durch.
In allen anderen europäischen Ländern konzentrierte man die
Todeskandidaten in Gettos oder erfasste sie über Judenräte und
verschleppte sie in Vernichtungslager. Die größten und berüchtigsten
Vernichtungslager lagen in Polen (Auschwitz-Birkenau, Belzec, Kulmhof,
Majdanek, Sobibor, Treblinka). Die Gesamtzahl der bei der „Endlösung der
Judenfrage“ Ermordeten wird auf rund sechs Mill. geschätzt. Die
unmittelbare Leitung der „Endlösung der Judenfrage“ hatte die Gruppe IV B
4 im Reichssicherheitshauptamt der SS unter Adolf Eichmann. Sie hatte
Zweigstellen in allen Ländern Mittel-, Süd- und Westeuropas und
arbeitete sowohl mit Reichs- als auch mit lokalen Behörden eng zusammen.
Der Kampf gegen die „Endlösung der Judenfrage“ wurde
von der gesamten europäischen Widerstandsbewegung geführt. Tausende
wurden in allen Ländern von ihren Mitbürgern versteckt; allein in Berlin
waren es schätzungsweise 3000 bis 4000. Besondere Aktionen waren der
zweitägige Generalstreik gegen die Deportation in Amsterdam (22./23.
Feb. 1941) und die Hilfe zur Flucht von rd. 7500 Menschen von Dänemark
nach Schweden (Ende Sept. / Anfang Okt. 1943). Höhepunkt des Widerstands
der Verfolgten waren die bewaffneten Aufstände in Gettos (Warschau: 19.
April bis 16. Mai 1943; Bialystok: 16. August bis Ende August 1943) und
in den Vernichtungslagern (Treblinka: 12. August 1943; Sobibor: 14.
Oktober 1943; Auschwitz-Birkenau: 7. Oktober 1944).
Wörterbuch der GEschichte A-K, Dietz Verlag Berlin 1984, Seite 262 -263
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