
In einen Beitrag hatte ich über Petitionen nachgedacht, auf diesen Beitrag wurde auf der Seite
Kritische Massen
aufmerksam gemacht, wobei ich die Anregung etwas zum Thema zu schreiben
von dieser Seite erhalten hatte. Zum Beitrag selbst gab es dort
Kommentare, welche weiteres Nachdenken beförderte, welches sich in folgenden
Kommentar spiegelt:
Einige hinschleppende Gedanken zu Petitionen und Bloggen
Ja Winfried,
ist dem so, das
Blogger um Zustimmung betteln? In Blogs spiegeln sich letztlich die
gesellschaftlichen Verhältnisse, werden Auseinandersetzungen geführt,
Ansichten ausgetauscht, Informationen gesammelt und weiterverbreitet. So
möge auch mancher Blogger als Priester daher kommen, missionierend in
Erscheinung treten und Glauben befördern, sowie verbreiten. Andere
wiederum, welche dazu neigen nicht zu Glauben, sondern nach Wissen zu
streben, die Welt zu erkennen und was diese zusammenhält, möchten
Erkennen und diese Erkenntnisse prüfen, verfestigen, bestätigt bekommen
wissen, oder auch nicht. Sie streben nach Aufklärung, der Eignen, wie
auch der Anderer. Das ist auch hier der Fall, wobei historische
Parallelen durchaus taugen Erkenntnisse zu untermauern. Somit kann zur
Klärung gefragt werden, wird der Glaube an bestehende gesellschaftliche
Verhältnisse und deren Richtigkeit bestärkt, oder werden diese
Verhältnisse berechtigterweise in Frage gestellt?
Praktisches Beispiel
aus der Geschichte, es gibt keine Revolution, welche einen
gesellschaftlichen Wandel bewirkte, die mittels Petitionen ausgefochten
wurde! Eher waren sie der Erkenntnis geschuldet, dass Petitionen an die
Herrschenden nur mäßigen bis keinen Erfolg haben.
…
Hoffnung
und Glaube sind Zwillinge und so möge auch mancher Blogger hoffen und
meinen, denn die Meinung ist ja frei, soll sie jedenfalls sein!
Letztlich bedeutet dieses aber nur, dass es einen jeden Menschen
vergönnt sein muss, seine Meinung offen zu äußern, ohne Konsequenzen
fürchten zu müssen. Auch heute noch ein Ideal! Die Forderung ist in
einer Zeit entstanden, als unbequeme Meinung, als nicht systemkonforme
progressive Erkenntnisse verboten waren, sie der Zensur unterlagen und
ihre praktische Äußerung mit Sanktionen verbunden. Letztlich ging es
aber nicht darum Meinung zu unterdrücken, sondern nicht systemkonforme Erkenntnisse.
Meinung in ihrer Allgemeinheit kann sowohl Wahrheit als auch Lüge sein,
somit bedeutet die Freiheit der Meinung auch die Freiheit der Lüge! Was
letztlich nicht nur die Klärung des Freiheitsbegriffes erfordert,
sondern auch die Auseinandersetzung mit der Meinung selbst. So gesehen
verbreiten viele Blogger nicht ihre Meinung, sondern konfrontieren mit
ihren Erkenntnissen und fordern im öffentlichen Raum zur Diskussion! Auf
welcher weltanschaulichen Grundlage Erkenntnisse gewonnen werden, macht
auch bei Bloggern einen Unterschied! Im obigem Fall geht es um
Erkenntnisse, welche weiterverbreitet werden und es durchaus verdienen
auf Widerspruch zu stoßen, denn auch hier sind Widersprüche Triebkräfte,
welche die Auseinandersetzung mit dem Thema fördern und damit
Erkenntnisse infrage stellen, sie befördern oder negieren! Der
Fatalismus, welcher dem Petitionismus folgt, besteht in der
Weiterverbreitung und Verfestigung der Meinung, dass man ohnehin nichts
machen könne, immerhin wurde es ja versucht, meistens erfolglos! Und
somit gebe ich Deiner „Hoffnung“ Sepp einen Dämpfer und biete Dir den
Widerspruch an, welcher eine Erkenntnis, auch wenn sie Meinung genannt
wird, verdient!
In diesem Zusammenhang hier mal nicht die 11. Feuerbachthese, sondern die: 8.) Das gesellschaftliche Leben ist wesentlich praktisch.
Alle Mysterien, welche die Theorie zum Mystizismus verleiten, finden
ihre rationelle Lösung in der menschlichen Praxis und im Begreifen
dieser Praxis.
…
Teil 3: So ist es
gelegentlich, es wird gelesen, es wird gemerkt und Gedanken werden
niedergeschrieben, dann wird das geschriebene liegen gelassen, aus
welchen Gründen auch immer und zwischenzeitlich erscheint ein weiterer
Gegenstand zur Betrachtung. Der dritte hier und das ist gut so, denn
gerade von Diskussionen wie diese leben Blogs. Wobei der Schein
gelegentlich auch täuschen kann und gerade in der Diskussion ein
entscheidender Unterschied zur Petition begründet ist. Also ist der
Aussage: „die beiden Arten (Blogger und Petitionen) sind sich
ähnlicher, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Sie sind 2 Seiten
derselben Medaille.“ zu widersprechen. Übereinstimmung besteht
sicher darin, das sich beide an andere Menschen wenden, nicht zum
reinen Selbstzweck betrieben werden, sondern um Interessen zu
Artikulieren und gegebenenfalls auch durchzusetzen. Wo eine Petition,
wenn sie nicht dem eigenem Tun entspringt, Unterstützung verlangt und
unterstellt, das andere Menschen selbe Interessen haben und durchsetzten
möchten, sich mit diesen identifizieren sollen, sie aber nur die Wahl haben diese zu unterstützen oder nicht,
also die dort vorgebrachte Erkenntnis annehmen können oder nicht, sind
Blogs Mittel zur Erkenntnisfindung. Auch unterscheiden sich beide im
Adressaten, eine Petition ist zweckgebunden und in der Regel an
vorherrschend, oder beherrschende Politik gerichtet. Ein Blog in der
Regel an die gesamte Leserschaft. Dabei kann die Motivation einen Blog
zu betreiben sehr verschieden sein, von der Bewahrung bestehenden, bis
zur konsequenten Infragestellung des selbigen, aber auch schlichtweg der
Selbstdarstellung dienen. Bei allen Unterschieden, die größte
Gemeinsamkeit besteht darin, dass beides Instrumente zum Erreichen von
Zielen sind, Instrumente ideologischen Kampfes.
Das auch Blogger
Eitelkeiten pflegen, sich über Resonanz freuen, liegt in der Sache
selbst begründet und es ist durchaus menschlich, das sich über einen
gehobenen Daumen gefreut wird. Petitionen oft mit einen Blog zu
ergänzen, damit über diese diskutiert werden kann, ist hingegen unter
Umständen nur dem Umstand geschuldet, dem Menschen wenigsten die
Illusion zu lassen, mitgeredet, oder in diesem Fall mitgeschrieben zu
haben. Verändern wird sich dadurch am Inhalt der Petition in der Regel
nichts! Auch das Petitionen in der Vergangenheit erfolgreich waren, ist
nicht von der Hand zuweisen, denn ganz ohne Erfolg würden die Menschen
sich ziemlich schnell von einer solchen Möglichkeit verabschieden.
Petitionen sind ein demokratisches Instrument, sie entsprechen der
allgemein praktizierten Form der Demokratie, sie dienen dem
Interessenausgleich innerhalb der herrschenden Klasse. Und bei allem
Erfolg einer Petition, sollte sich die Frage nach den praktischen Folgen
für die Menschen nicht gespart werden. Letztlich ist aber entscheidend,
welches eigentliche Interesse hinter einer Petition steckt und wer die
treibenden Kräfte sind. Was nichts daran hindert, dass Petitionen auch
ein Bekenntnis zum bestehenden politischen System mit seinen Strukturen
sind, aber auch ein probates Mittel Stimmungen zu erfassen. Zum
vorgebrachten Beispiel Aavaz sei auf die Erkenntnis von Barth Engelbart
verwiesen und wem und was nutzt letztlich ein Abgeordnetencheck, außer
das etwas die Volksseele erregt wird? Ein realistischer Einfluss auf
Kandidatenwahl und das Wahlsystem entsteht dadurch nicht!
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