Zitat:

Es setzt sich nur so viel Wahrheit durch, als wir durchsetzen; der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein. - Bertold Brecht, „Leben des Galilei“

Zitat:

Bedrohlich ist das Volk für die Herrschenden, wenn es ohne Furcht ist.“ -Tacitus (römischer Historiker)

Zitat:

Die Furcht vor Übervölkerung tritt stets in Perioden auf, in denen der bestehende Sozialzustand im Zerfall begriffen ist. August Bebel

Dienstag, 19. Oktober 2010

Reaktion auf eine Reaktion und was ist eigentlich Dialektik?

Ein E-Mail, welches ich auch separat erhalten hatte, fand sich in der Mailingliste der Freidenker und erfuhr dort Reaktion. Eine Reaktion machte ich zum Gegenstand folgender Betrachtung, in welcher nicht geklärt wird, was Dialektik ist, aber mit dieser durchaus etwas zu tun hat:
Hallo Rainer,
ja, barbarisch, kann solches Vorgehen genannt werden. Nur was für ein politischer Hintergrund? Ja, warum werden solche „Beton-Projekte“ beschlossen? Der Politik wegen? Sind sie den Hirnen von Politikern entsprungen, dienen sie der Politik? Doch eher nicht!
Und warum werden die Bürger überrumpelt, doch nur weil sie sich überrumpeln lassen! Nur warum lassen sie sich überrumpeln? Wegen der Politik, von der Politik, oder wegen der Illusionen, welche sie sich von Politik machen?
Traurig aber leider wahr, die Welt steht nicht auf den Kopf, nur wird sie leider all zu oft Kopf stehend betrachtet. Selbst von so manchem Marxkenner! Ich kenne Marx nun nicht, aber trotzdem bin ich jedesmal wieder etwas verwundert, wenn ein großer Aufschrei, verbunden mit überraschtem Entsetzen, durchs „Volk“ geht, wenn sich Kapitalismus/Imperialismus, wie Kapitalismus/Imperialismus benimmt! Ist es nicht das Wesen des Systems, welches sich hier offenbart?

In der Politik lässt es sich streiten, Politiker halten den Kopf hin, wofür sie sich in der Regel gut entlohnen lassen und doch ist Politik nur ein Mittel zum Zweck. Hinter dem verschiedensten politischen Interesse stehen handfeste ökonomische Interessen und so geht es auch bei all diesen Großprojekten um Kapitalinteressen, es geht um sehr viel Geld und somit um entsprechende Profite. Und was bewegt die Gegner solcher Projekte, letztlich pflegen auch diese keine Ideale, sonder folgen ökonomischen Erwägungen und treiben gar selbst Politik.   
Nein, ich möchte keine Eulen nach Athen tragen, aber in der Grundschule, welche ich nie besuchte, habe ich nicht gelernt, dass es so etwas wie Basis und Überbau geben soll, jedenfalls hat es dieses in der DDR gegeben. Marx soll ja mal geschrieben haben, nein hat geschrieben: „In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt, und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewusstseinsformen entsprechen.“ (Marx, MEW, Band 13, S. 8 )
Was wollt ich eigentlich sagen? Ach ja, irgendwie bin ich von Deiner Aussage enttäuscht, Du stimmst ins allgemeine Gejammer ein, ohne auf die hintergründigen Widersprüche auch nur einzugehen. Ganz im Gegenteil, die ökonomischen Ursachen werden negiert, die Illusion von einer über den Dingen (gesellschaftlichen Verhältnissen) stehenden Politik, welche zudem noch unabhängig agieren kann, wird genährt. Von einem Marxkenner hätte ich wenigstens erwartet, dass er etwas zur Entzauberung der Politik beträgt. Und anstatt den Staat zu entzaubern und ihn die Rolle zuzubilligen, welche er auch nach Marx hat, gibst Du dem Affen kleinbürgerlicher Phantasien Zucker, in dem Illusionen nicht hinterfragt werden, sonder genährt. Was anderes ist es auch nicht, wenn zu lesen ist: „Unsere ganze Staatsräson steht auf dem Prüfstand: Parlamente ohne Volks-Kontrolle?“ als ob es so etwas wie Volkskontrolle eines Parlaments in einer kapitalistischen Gesellschaft schon jemals gegeben hätte. Und wenn Du die Staatsräson schon auf den Prüfstand stellst, dann sollte sie zumindest dahin befördert werden, wo sie hingehört, in den Mülleimer der Geschichte!
Nun ja, ist es nicht so, Politik, Beschlüsse der Parlamente, Politiker, etc. alles kann kritisiert werden, die Meinung ist frei, so frei wie ein Vogel, der im Winter kein Futter mehr findet, (er wird verhungern, auch wenn er noch so schön im Frühjahr, Sommer und Herbst gesungen hat). Problematisch wird es erst, wenn Meinung zur Tat animiert und reale Interessen zu beeinflussen beginnt, da hört der Spaß mit der Freiheit auf und es heißt nur noch, willkommen in der Realität! Praktischerweise eben auch in Stuttgart, es offenbaren sich Widersprüche!
Nun ja, vielleicht sehe ich die Zusammenhänge auch falsch, immerhin bist Du ja der Dialektiker.  
Gruß
Thomas
Hier der gegenständliche Text im Zusammenhang.

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